21 Stunden Verhandlungen, ein letztes Angebot – und dennoch kein Durchbruch: Der Nahostkonflikt bleibt ungelöst.
Die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran sind vorerst ohne Ergebnis geblieben. Wie US-Vizepräsident JD Vance erklärte, habe die Islamische Republik die amerikanischen Bedingungen abgelehnt. Noch vor seiner Abreise aus Islamabad, wo die Gespräche stattgefunden hatten, habe er ein abschließendes Angebot auf den Tisch gelegt.
„Wir werden sehen, ob die Iraner es akzeptieren“, so der Stellvertreter von Präsident Donald Trump. Er verließ Pakistan, nachdem er ein „letztes und bestes Angebot“ unterbreitet habe. Eine iranische Zusage für einen Verzicht auf Atomwaffen sei ausgeblieben, sagte er am Sonntag in Islamabad vor Journalisten.
Vance sprach von „bedeutenden Diskussionen mit den Iranern“ im Verlauf der 21-stündigen Gespräche. „Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass wir zu keiner Einigung gekommen sind. Und ich denke, für den Iran sind das viel mehr schlechte Nachrichten als für die Vereinigten Staaten von Amerika.“ Während der Verhandlungen habe er ein halbes Dutzend Mal mit US-Präsident Trump telefoniert, fügte der Vizepräsident hinzu.
Auch Teheran bestätigte das Scheitern der Gespräche. Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete unter Berufung auf einen Reporter vor Ort, die Verhandlungen seien beendet. Überzogene Forderungen der USA hätten einen gemeinsamen Rahmen und ein Abkommen verhindert. Dem Sender Press TV zufolge gehörten unter anderem die Straße von Hormuz sowie das Recht des Landes auf ein eigenes Atomprogramm zu den Streitpunkten.
Seit Ende Februar Krieg
Die USA und Israel hatten am 28. Februar umfassende Angriffe auf den Iran gestartet. Nach fünf Wochen Krieg einigten sich die Konfliktparteien vor wenigen Tagen auf eine zweiwöchige Feuerpause. In dieser Zeit sollte unter der Vermittlung Pakistans über ein dauerhaftes Ende des Krieges verhandelt werden.
Die Positionen der Kriegsparteien lagen aber von Anfang an extrem weit auseinander. Pakistan hat inzwischen beide Länder aufgerufen, trotz des vorläufigen Scheiterns der Diplomatie weiter die vereinbarte Waffenruhe einzuhalten. Dies sei „zwingend erforderlich“, sagte der pakistanische Außenminister Ishaq Dar am Sonntag. Pakistan werde weiter als Vermittler dienen, um den „Dialog“ zwischen Washington und Teheran zu ermöglichen.
Es handelte sich um die ranghöchsten Gespräche zwischen Washington und Teheran seit der Islamischen Revolution von 1979 – und zugleich um die ersten offiziellen direkten Verhandlungen beider Seiten seit 2015. Damals war in Wien das internationale Atomabkommen geschlossen worden, das verhindern sollte, dass der Iran eine Atombombe entwickelt. Die USA stiegen jedoch 2018 während Trumps erster Amtszeit aus dem Abkommen aus, und der Iran sah sich nicht mehr an dessen Auflagen gebunden.
Ebenfalls 2018 untersagte der damalige Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, weitere direkte Gespräche zwischen seinem Land und den USA. Er wurde zu Beginn des Krieges bei einem Angriff auf Teheran getötet.
Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran unter Vermittlung Pakistans hatten am Samstag begonnen. Die USA wurden von Vance, dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner vertreten. Für den Iran waren unter anderem Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf und Außenminister Abbas Araqchi nach Islamabad gereist.
Laut dem iranischen Außenamtssprecher Esmail Baghaei Hamaneh ging es bei den Verhandlungen um zentrale Themen wie die für den weltweiten Ölhandel wichtige Straße von Hormuz, die Atomfrage, Kriegsreparationen, die Aufhebung von Sanktionen sowie ein Ende des Krieges in der Region. Bis in den Sonntag hinein hätten „intensive Verhandlungen“ stattgefunden. Dabei seien „zahlreiche Nachrichten und Texte“ zwischen den beiden Seiten ausgetauscht worden, schrieb Baghaei in den frühen Morgenstunden auf X.
Massive Sicherheitsvorkehrungen
Wie die „New York Times“ berichtet, handelte es sich bei den von Pakistan vermittelten Verhandlungen um das hochrangigste direkte Treffen zwischen US-amerikanischen und iranischen Beamten seit der Islamischen Revolution im Iran 1979. Die Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad waren erheblich. Mehr als 10.000 Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizisten und paramilitärische Einheiten, wurden für die Verhandlungen stationiert. Das Regierungsviertel und die diplomatische Zone wurden abgeriegelt.
Einem Insider zufolge hat der Iran es mit weiteren Gesprächen derzeit nicht eilig. Solange die USA keinem vernünftigen Abkommen zustimmten, werde sich an der Lage in der Straße von Hormuz nichts ändern, meldet die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Das iranische Außenministerium erklärte, man habe sich zwar in mehreren Punkten verständigt, bei zwei wichtigen Themen seien die Ansichten jedoch auseinandergegangen. Daher habe man ohnehin nicht erwartet, bereits in der ersten Sitzung eine Einigung zu erzielen.