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Waffenruhe gebrochen?

Hormus-Blockade hält an: Mautgebühren für jeden Tanker – Gefahr von Seeminen

Hormus-Blockade hält an: Mautgebühren für jeden Tanker – Gefahr von Seeminen
FOTO: iStock/quantic69
5 Min. Lesezeit |

Waffenruhe auf dem Papier, Blockade in der Realität: Die Straße von Hormus bleibt ein gefährliches Nadelöhr – mit Minen, Maut und Machtpoker.

Obwohl die Waffenruhe zwischen den USA und Iran eigentlich auch die Öffnung der Straße von Hormus vorsieht, hält Teheran die strategische Meerenge offenbar weiterhin blockiert. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars, die der Revolutionsgarde nahesteht, ist der Schiffsverkehr durch die Straße trotz des Waffenstillstands mit den USA und Israel weitgehend zum Erliegen gekommen. Öltanker seien zur Umkehr gezwungen worden.

Normalerweise verläuft durch die Straße von Hormus rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte. Die Blockade hat damit unmittelbare Auswirkungen auf die globale Energieversorgung.

Als Begründung werden die massiven israelischen Angriffe auf den Libanon angeführt, die auch nach der Ankündigung von US-Präsident Trump nicht nur fortgesetzt, sondern sogar noch ausgeweitet worden seien.

Seeminen und Mautpflicht

Die iranische Hafenbehörde empfahl Schiffen, die Meerenge nur nach vorheriger Abstimmung mit der Revolutionsgarde zu passieren, und verwies dabei auf die Gefahr von Seeminen. Diese Warnung wurde über den staatlichen Nachrichtenkanal Khabar-Fouri sowie den Staatssender IRIB verbreitet. Eine Grafik, die von den halbamtlichen Nachrichtenagenturen Isna und Tasnim veröffentlicht wurde, zeigt auf einer bisher üblichen Durchfahrtsroute einen gelben Kreis mit der Aufschrift „Gefahrenzone“.

Dies deutet darauf hin, dass die Revolutionsgarde in diesem Bereich Seeminen verlegt haben dürfte. Schiffe sollen demnach eine nördlichere Route nehmen, die näher am iranischen Festland und der Insel Larak im Persischen Golf verläuft. Die in der Grafik angegebenen Daten erstrecken sich vom 28. Februar bis zum vergangenen Donnerstag. Ob die mögliche Verminung inzwischen geräumt wurde, ist nicht bekannt.

Laut Fars passierten seit Beginn der Feuerpause lediglich zwei Tanker die Meerenge – eine Zahl, die auch unabhängige Analysten bestätigen. Bereits während der faktischen Blockade hatte Iran vereinzelt Schiffe durchgelassen.

Das auf internationale Schifffahrtsbeobachtung spezialisierte Unternehmen Windward berichtet, dass alle Schiffe, die die Meerenge passieren wollen, ihre Durchfahrt mit den iranischen Behörden koordinieren und zusätzlich eine Maut von einem US-Dollar pro transportiertem Barrel Öl entrichten müssen – zahlbar in Kryptowährung. Laut Windward warnte Iran in Funksprüchen an Tanker im Persischen Golf, dass Schiffe ohne entsprechende Genehmigung mit einem Angriff rechnen müssten. Teheran beansprucht das Recht, diese Abgabe zur Finanzierung des eigenen Wiederaufbaus zu erheben – ein Vorgehen, das gegen die Grundsätze der freien Schifffahrt verstößt und von den USA sowie zahlreichen weiteren Staaten abgelehnt wird.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, dessen Land über eine der größten Handelsflotten der Welt verfügt, sprach sich klar für einen gebührenfreien und sicheren Schiffsverkehr durch die Meerenge aus. Gegenüber CNN erklärte er: „Ich glaube nicht, dass die internationale Gemeinschaft bereit wäre zu akzeptieren, dass der Iran für jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, eine Mautstelle einrichtet.“ Auch Großbritannien stellte sich gegen die iranischen Pläne. Außenministerin Yvette Cooper betonte laut vorab veröffentlichten Redeauszügen: „Die grundlegenden Freiheiten der Meere dürfen nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden.“

Trumps Drohung

Washington erhöht den Druck auf Teheran und verlangt die unverzügliche Öffnung der Straße von Hormus. Trump drohte mit einer erneuten militärischen Eskalation, sollte Iran das Waffenruheabkommen nicht vollständig einhalten. Iran dürfe keine Atomwaffen entwickeln, und die Meerenge müsse „offen und sicher“ sein, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Das US-Militär werde so lange in der Region präsent bleiben, bis das „erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird“. Für den Fall der Nichterfüllung stellte er in Aussicht, dass alles bereitstehe, was für die „Vernichtung“ eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei.

Die Frage, ob der Libanon in die Feuerpause eingeschlossen ist, beantworten die beteiligten Parteien unterschiedlich. US-Vizepräsident JD Vance bezeichnete die gegenteilige iranische Annahme als Missverständnis: „Weder wir noch die Israelis haben gesagt, dass dies Teil der Waffenruhe sein würde.“ Der Vermittler Pakistan hingegen besteht darauf, dass die Feuerpause ausdrücklich auch den Libanon umfasse. Vance soll in den kommenden Tagen die Verhandlungen mit Iran in Islamabad leiten – ob es dazu kommt, ist jedoch offen. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete weitere Gespräche als „unsinnig“ und warf den USA und Israel vor, die getroffenen Vereinbarungen zu brechen, unter anderem mit Verweis auf die fortgesetzten israelischen Angriffe.

Irans Außenminister Araghtschi äußerte sich auf X und betonte, die Bedingungen des Abkommens seien eindeutig. Die USA müssten sich entscheiden: Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges. Mit Blick auf die anhaltenden israelischen Angriffe auf den Libanon erklärte er, die Weltgemeinschaft werde genau beobachten, ob Washington sein Wort halte.