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Strandstreit

Globaler Hit: Dieser Strand trennt seit 100 Jahren die Geschlechter

Globaler Hit: Dieser Strand trennt seit 100 Jahren die Geschlechter
(Foto: Pexels)
3 Min. Lesezeit |

Ein Streit, eine Mauer, zwei Welten – und plötzlich blickt ganz Europa auf einen Strand in Triest.

Ein Streit am Strand von Triest hat eine Debatte ausgelöst, die weit über die Stadtgrenzen hinausging – und dem wohl ungewöhnlichsten Badeplatz Europas zu einem regelrechten Besucheransturm verholfen.

Am Strand Alla Lanterna, im Volksmund schlicht Pedočin genannt, kam es im Juni zu einem handfesten Disput. Eine Frau hatte versucht, sich im Männerbereich zu sonnen – was an diesem Ort seit jeher nicht vorgesehen ist. Denn der Pedočin ist durch eine massive Mauer in zwei Hälften geteilt: Die eine Seite ist Frauen und Kindern unter zwölf Jahren vorbehalten, die andere ausschließlich Männern.

Wer das andere Geschlecht treffen möchte, muss ins Wasser – die Bojen im Meer gelten als inoffizieller Treffpunkt. Diese Aufteilung hat Tradition: Sie besteht seit mehr als hundert Jahren. Viele Frauen schätzen die Trennung gerade deshalb, weil sie dort ohne Oberteil schwimmen und sich sonnen können, ohne männliche Blicke befürchten zu müssen, wie italienische Medien berichten.

Die Frau, die in Begleitung ihres Partners war, geriet mit einer anderen Badegästin aneinander. Eine ältere Frau trat auf sie zu und forderte sie auf, den Männerbereich zu verlassen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die jüngere Frau bezeichnete ihre Kontrahentin als „Sexistin und rückständig“ und nannte Triest wegen seiner geschlechtsspezifischen Strandaufteilung eine „mittelalterliche“ Stadt. „Wenn ihr solche Bräuche habt, seid ihr keine Italiener“, soll sie dabei gesagt haben.

Weltweiter Besucheransturm

Was als lokaler Zwist begann, entwickelte sich rasch zu einer internationalen Diskussion darüber, ob eine Frau das Recht hat, den Männerbereich zu betreten – und ob eine solche Trennung überhaupt noch zeitgemäß ist. Der Nebeneffekt: Der Pedočin wurde schlagartig weltberühmt. Allein im Juli wurden 53.610 Eintrittskarten verkauft – ein deutlicher Sprung gegenüber 34.885 im Jahr 2023 und 40.160 im Jahr 2024.

In den vergangenen drei Monaten zählte der Strand rund 100.000 Besucher, was Einnahmen von etwa 120.000 Euro aus dem Kartenverkauf bedeutete. Laut einem Bericht der Daily Mail stellen Frauen dabei die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher.

Doch nicht alle zeigen sich von dem Trubel begeistert. „Für alles andere geht zu den Bojen“, riefen Stammgästinnen Journalistinnen und Journalisten der Daily Mail zu – eine unmissverständliche Ansage an alle, die die Regeln des Ortes nicht respektieren wollen.

Kurioser Ursprung

Der Name Pedočin leitet sich vom Wort für „Nisse“ ab; der Überlieferung nach diente dieser Küstenabschnitt einst dazu, Pferde zu entlausen. Im Triestiner Dialekt bedeutet „pedoci“ hingegen Miesmuscheln – ein sprachliches Kuriosum, das zum eigenwilligen Charakter des Ortes passt.

Der Strand ist auch jenseits der aktuellen Debatte kein Unbekannter: 2016 entstand der Dokumentarfilm „L’ultima spiaggia“ (international: „The Last Resort“) von Thanos Anastopoulos und Davide Del Degan, der Stammgäste ein Jahr lang begleitete. Das Gelände, das mehr Kies als Sand aufweist und nahe dem Stadtzentrum liegt, zieht vor allem ein älteres, treues Publikum an.

Der Eintrittspreis war lange Zeit bescheiden – bis etwa zur Pandemiezeit kostete eine Karte gerade einmal einen Euro.

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KO KOSMO-Redaktion
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