Grillsaison in Österreich – doch hinter vielen Produkten im Supermarkt steckt mehr Unklarheit als Genuss.
Eine Untersuchung von Tierschutz Austria hat 644 Grillprodukte in insgesamt 19 Filialen der Handelsketten Billa, Billa Plus, Penny, Lidl, Hofer und Spar unter die Lupe genommen. Die Bilanz fällt deutlich aus: Lediglich 74 der geprüften Artikel – das entspricht einem Anteil von 11,49 Prozent – verfügen über ein Kennzeichen, das auf erhöhte Tierwohlstandards schließen lässt. Konkret bedeutet das: Neun von zehn Grillprodukten im Supermarktregal tragen kein entsprechendes Siegel.
Das schlechteste Ergebnis erzielte Penny – von 75 geprüften Produkten wiesen 74, also mehr als 98 Prozent, weder ein Bio- noch ein Tierwohlsiegel auf. Den besten Wert erreichte Hofer: Dort trug knapp ein Drittel der Grillprodukte – genau 32,38 Prozent – eine entsprechende Auszeichnung.
Etwa ein Fünftel der untersuchten Produkte war zum Aktionspreis erhältlich, das günstigste Grillfleisch war bereits ab 3,99 Euro pro Kilogramm zu haben. Bei jedem zehnten Produkt ließ sich die Herkunft des Fleisches nicht eindeutig nachvollziehen. Tierschutz Austria rät Konsumentinnen und Konsumenten daher, beim Grillen häufiger auf vegane Alternativen zurückzugreifen.
Fehlende Kennzeichnung
Ein einheitliches staatliches Tierwohlsiegel existiert in Österreich bislang nicht. Stattdessen konkurrieren verschiedene freiwillige Kennzeichnungen mit teils sehr unterschiedlichen Anforderungen – was einen direkten Vergleich für Verbraucherinnen und Verbraucher erheblich erschwert. Das weit verbreitete AMA-Gütesiegel fällt nicht in die Kategorie der Tierwohllabels, da es in erster Linie Herkunft und Qualität der Produkte zertifiziert.
„Beim Einkauf ist oft nicht erkennbar, wie die Tiere gehalten wurden. Das ist für die Verbraucher untragbar“, kritisiert Hanna Zamernik von Tierschutz Austria. Die Untersuchungsdaten unterstreichen diesen Befund: 352 Produkte – das sind 54,66 Prozent aller geprüften Artikel – trugen überhaupt kein Siegel. Weder Herkunft noch Bio-Zertifizierung noch Tierwohl waren auf diesen Produkten ausgewiesen.