Ratko Mladic bleibt in Haft – trotz Schlaganfall, Palliativpflege und dem Eingeständnis, er befinde sich in den letzten Lebensphasen.
Die Präsidentin des Internationalen Residualmechanismus für Strafgerichtshöfe, Graciela Gatti Santana, hat den Antrag auf vorübergehende Freilassung von Ratko Mladic zur medizinischen Behandlung in Serbien abgewiesen. Zur Begründung verwies sie darauf, dass der Gesundheitszustand des verurteilten Generals zwar aufgrund mehrerer chronischer Erkrankungen ernst sei, eine akute Verschlechterung, die eine humanitäre Entlassung rechtfertigen würde, jedoch nicht vorliege. Santana räumte ein, dass sich Mladic „in den letzten Phasen seines Lebens“ befinde – sah darin aber keinen hinreichenden Grund für eine Ausnahme.
Abgrenzung anderer Fälle
In der von Santana unterzeichneten Entscheidung wird ausgeführt, dass Mladics Zustand „hauptsächlich auf chronischen und multiplen Erkrankungen“ beruhe. Frühere humanitäre Freilassungen anderer Verurteilter seien hingegen infolge „plötzlicher akuter Verschlechterungen des Gesundheitszustands“ gewährt worden. Laut Srna grenzt die Entscheidung Mladics Fall ausdrücklich von jenen des Generalobersts Nebojsa Pavkovic, des Spezialeinheitenkommandanten Franko Simatovic sowie des ehemaligen Leiters des Krisenstabs der Serbischen Autonomen Region Krajina, Radoslav Brdjanin, ab – Fälle, die durch „unheilbare Krankheiten mit raschem Fortschreiten“ gekennzeichnet gewesen seien. Mladic, so die Entscheidung weiter, stehe unter der Aufsicht „bester Fachleute“ und erhalte „alle notwendige Pflege“.
Scharfe Kritik an der Entscheidung übte Darko Mladic, der Sohn des Verurteilten. Gegenüber Srna erklärte er, das Haager Tribunal habe einmal mehr bewiesen, dass es sich mit Politik und nicht mit Gerechtigkeit befasse. Die Begründung des Mechanismus – sein Vater werde von den bestmöglichen Ärzten betreut – wies Darko Mladic als zynisch zurück: Es handle sich um dieselben Ärzte, die Ratko Mladic nach einem Schlaganfall wegen Harnwegsinfektionen behandelt hätten und nicht in der Lage gewesen seien, den ersten Schlaganfall zu erkennen, bevor ein zweiter eingetreten sei.
Mladics Gesundheitszustand
Der ehemalige Kommandant der Armee der Republika Srpska hatte am 10. April einen Schlaganfall erlitten, was seinen bereits schwerwiegenden Gesundheitszustand weiter verschlechterte. Mladic leidet neben neurologischen auch an kardiovaskulären und nephrologischen Erkrankungen. Am 2. Mai wurde er wegen des Verdachts auf einen erneuten Schlaganfall aus der Haftanstalt in ein ziviles Krankenhaus in Den Haag verlegt. Da die behandelnden Ärzte zu jenem Zeitpunkt keinen Schlaganfall bestätigten, kehrte er in die Haftanstalt zurück. Seit 2024 wird Mladic dort palliativ betreut.
Anträge auf vorübergehende Freilassung zur Behandlung in Serbien hat der Mechanismus bereits mehrfach abgelehnt.