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Familienkultur

„Javi se svima!“ – warum ein einfaches „Hallo“ bei uns nie reicht

„Javi se svima!“ – warum ein einfaches „Hallo“ bei uns nie reicht
(FOTO: Mit KI erstellt)
3 Min. Lesezeit |

Du kommst auf eine Hochzeit, Taufe oder Familienfeier und siehst 60 Menschen im Raum. Ein freundliches „Hallo zusammen“ müsste eigentlich reichen. Tut es aber nicht. Denn irgendwo hinter dir kommt schon der Satz: „Javi se svima!“

Und damit beginnt der eigentliche erste Programmpunkt jeder größeren Balkan-Feier: die Begrüßungsrunde. Du gehst von Tisch zu Tisch. Händeschütteln. Küsschen links, rechts – je nach Familie vielleicht noch einmal. „Kako ste?“ „Dobro, a vi?“ Weiter zum nächsten. Dort sitzt jemand, den du zuletzt 2019 gesehen hast. Natürlich erinnert er sich genau an dich. Du selbst brauchst noch drei Sekunden. Erst wenn wirklich jeder begrüßt wurde, gilt man offiziell als angekommen.

„Idi javi se!“

Besonders Kinder kennen diesen Satz wahrscheinlich gut. Man kommt irgendwo hinein, möchte eigentlich sofort zu den Cousins oder ans Buffet – aber Mama stoppt einen bereits an der Tür: „Prvo se javi.“ Erst begrüßen. Oma, Opa, Tante, Onkel, Nachbarn der Großeltern, irgendein älterer Herr, von dem du nicht genau weißt, wie er mit euch verwandt ist. Egal. Alle werden ordentlich begrüßt. Denn Höflichkeit ist keine Frage davon, ob man jemanden genau kennt.

„Hallo zusammen“ zählt nicht

Natürlich könnte man theoretisch einmal laut in den Raum rufen: „Hallo alle!“ Effizient wäre es. Zeitgemäß auch. Nur würde irgendwo sofort jemand sagen: „Nije se ni javio.“ Er hat nicht einmal richtig Hallo gesagt. Bei uns ist Begrüßen weniger Information als Ritual. Es geht nicht nur darum, dass die anderen wissen, dass du da bist. Du gehst hin, gibst die Hand, fragst kurz nach dem Befinden und zeigst damit Respekt.

Die schwierigste Disziplin: Namen zuordnen

Richtig interessant wird es bei großen Feiern mit Menschen, die man nur selten sieht. Man weiß: Die Person kennt mich. Ich müsste sie eigentlich auch kennen. Also lächelt man. „Kako ste?“ Funktioniert immer. Dann kommt die gefährliche Frage: „Znaš ti ko sam ja?“ Weißt du, wer ich bin? Natürlich weißt du es. Also ungefähr. „Kako ne znam!“ ist in solchen Situationen manchmal die sicherste Antwort.

Dann kommen die Küsschen

Je nach Region, Familie und Gewohnheit kann auch die Anzahl der Küsschen zur kleinen Wissenschaft werden. Eins? Zwei? Drei? Hand geben? Umarmen? Wer in Österreich aufgewachsen ist, entscheidet manchmal erst während der Bewegung, welches Begrüßungsmodell gerade gilt. Das führt zu jenen eleganten Momenten, in denen zwei Menschen gleichzeitig in dieselbe Richtung ausweichen. Aber irgendwie funktioniert es am Ende immer.

Warum ist das überhaupt so wichtig?

Hinter der ganzen Begrüßungsrunde steckt etwas ziemlich Schönes. Man nimmt sich für jeden Menschen zumindest kurz Zeit. Auch auf einer großen Feier wird niemand einfach Teil der Hintergrundkulisse. Begrüßen heißt: Ich habe dich gesehen. Ich freue mich, dass du da bist. Du gehörst dazu. Gerade in Familien, die sich wegen der Diaspora vielleicht nur wenige Male im Jahr oder noch seltener sehen, bekommt dieser kleine Moment zusätzlich Gewicht.

Und beim Abschied beginnt alles noch einmal

Natürlich wäre es zu einfach, wenn man dieselbe Übung nur beim Kommen absolvieren müsste. Irgendwann willst du gehen. Jacke an, Schlüssel in der Hand. Dann kommt: „Jesi se pozdravio sa svima?“ Hast du dich bei allen verabschiedet? Also zurück. Noch einmal von Tisch zu Tisch. Die Balkan-Feier endet nicht, wenn du gehen willst. Sie endet, wenn du dich von allen verabschiedet hast.

Seid ehrlich: Begrüßt ihr auf Familienfeiern wirklich noch jeden einzeln?

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KO KOSMO-Redaktion
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