Eisige Rekordwerte legen Skandinavien lahm, während in den Niederlanden der Flugverkehr zusammenbricht und in Florida sogar Leguane erstarrt von Bäumen fallen.
Eine arktische Kältewelle legt derzeit weite Teile Europas lahm. Auf der Wetterkarte ist die extreme Kälte über Norwegen und großen Teilen Finnlands durch die violette Färbung deutlich erkennbar. In Norwegen führen die eisigen Temperaturen zu erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Im Norden wurden stellenweise Werte von nahezu minus 40 Grad gemessen. Die extremen Bedingungen zwangen die Behörden, mehrere Zugverbindungen einzustellen. Den Tiefstpunkt erreichte das Thermometer in Karasjok nahe der finnischen Grenze mit minus 39,5 Grad. Zwischen der Küstenstadt Narvik und Gällivare wurde der Bahnverkehr komplett ausgesetzt.
Auch Schweden kämpft mit extremer Kälte. In der nordschwedischen Ortschaft Gielas sank das Thermometer auf minus 38,4 Grad. Zusätzlich sorgt Schneesturm Anna landesweit für erhebliche Niederschläge und chaotische Verhältnisse auf den Straßen.
Während in Deutschland der Wintereinbruch noch mit Freude aufgenommen wird und Temperaturen bis minus 15 Grad für Montag vorhergesagt sind, erreicht die Kältewelle in Skandinavien mit bis zu minus 40 Grad extreme Ausmaße und legt Teile des öffentlichen Lebens still. In den Niederlanden müssen Hunderte Flüge gestrichen werden. Mehrere Länder melden stillstehende Züge. Der griechische Luftraum wurde vollständig gesperrt.
Verkehrschaos in Europa
Der Wintereinbruch in den Niederlanden hat eines der wichtigsten europäischen Luftdrehkreuze nahezu vollständig lahmgelegt: Am Amsterdamer Flughafen herrscht derzeit kaum Flugbetrieb. Das Winterwetter führt sowohl am Samstag als auch am Sonntag zu erheblichen Verspätungen und zahlreichen Flugausfällen – eine Fortsetzung der bereits am Freitag begonnenen Probleme. Allein die Fluggesellschaft KLM strich am Samstag über 200 Verbindungen. Für Sonntag wurden knapp 300 weitere Flugausfälle angekündigt.
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Auch Verbindungen nach Deutschland sind von Ausfällen und Verzögerungen betroffen. Im niederländischen Schienenverkehr kommt es ebenfalls zu Beeinträchtigungen und Zugausfällen. Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, besondere Vorsicht walten zu lassen. Seit Freitag wurden am Amsterdamer Flughafen mehrere Hundert Flüge gestrichen.
Zudem ist aktuell der Luftraum über Griechenland vollständig gesperrt. Die Gründe dafür sind noch nicht bekannt.
Fallende Leguane
Die Kältewelle wirkt sich auch auf die Tierwelt aus – selbst im normalerweise warmen Florida. Der Kälteeinbruch zum Jahreswechsel war einer der umfassendsten, den Florida seit Jahren erlebt hat. Ein ungewöhnliches Phänomen ist die Folge: Leguane fallen von den Bäumen. Die niedrigen Temperaturen versetzen die wechselwarmen Reptilien in einen Starrezustand.
Ein Meteorologe dokumentierte einen erstarrten Leguan auf einer Rasenfläche in Fort Myers, wo die Temperatur auf etwa 4 Grad gefallen war – deutlich unter den üblichen 20 bis 25 Grad. Ähnliche Szenen wurden im mehr als 200 Kilometer entfernten Miami beobachtet, wo ebenfalls reglose Tiere aufgefunden wurden. Die Reptilien erholen sich in der Regel, sobald die Temperaturen wieder ansteigen. Der Wetterdienst in Miami warnte die Einwohner vor herabfallenden Leguanen.
Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst erklärt gegenüber BILD: „Es gibt einen massiven Ausbruch polarer Kaltluft. Sie kommt aus dem Polargebiet, reicht über Skandinavien bis nach Mitteleuropa.“ Die Nähe zum Polarkreis macht die Kälte in Skandinavien besonders intensiv. Nach Sturm „Johannes“ beherrscht nun „Anna“ Schweden.
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„In Deutschland und den Nachbarländern hat es gebietsweise kräftig geschneit. In den letzten drei Wintern hatten wir solche Wetterlagen in Deutschland nicht. Das sind die Menschen nicht mehr gewohnt. Es ist aber für einen Winter grundsätzlich nicht ungewöhnlich“, erläutert Hartmann gegenüber BILD.
Peter Hartmann hat an der Universität Bonn Meteorologie studiert. Der Diplom-Meteorologe arbeitet in der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. In der Offenbacher Zentrale sind rund um die Uhr ein Supervisor, ein Analysedienst, ein Warndienst und weitere Fachleute im Einsatz. Wetterexperte Peter Hartmann prognostiziert gegenüber BILD: „Die Schneefälle werden in Deutschland an den nächsten Tagen schwächer. Aber es bleiben winterlich kalte Tage.“
Dies bedeutet, dass bereits gefallener Schnee gute Chancen hat, liegen zu bleiben.