Ein zerbrochenes Reagenzglas, eine tote Forscherin, 200 Menschen unter Quarantäne – Sibirien steht vor einem Rätsel mit globalem Alarmpotenzial.
In der sibirischen Großstadt Irkutsk sind rund 200 Personen unter Quarantäne gestellt oder werden medizinisch überwacht. Hintergrund ist der Tod der 28-jährigen Forscherin Darja S., die möglicherweise an Lungenpest gestorben ist. Als wahrscheinlicher Ausgangspunkt des Geschehens gilt ein Vorfall vom 25. September, bei dem in einem Anti-Pest-Forschungsinstitut ein Reagenzglas mit Lungenpest-Erregern zerbrochen sein soll.
Offizielle Bestätigungen der Moskauer Behörden, die den Todesfall bislang nicht als Pesterkrankung deklariert haben, stehen weiterhin aus. Alternativ wird auch eine Ansteckung während einer Forschungsreise in Betracht gezogen.
Internationale Alarmbereitschaft
Der Fall hat längst eine internationale Dimension angenommen. Die US-Regierung beobachtet die Entwicklungen in Irkutsk genau. Die amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC stuft einen Ausbruch der Lungenpest als „medizinischen Notfall“ ein – nicht zuletzt deshalb, weil sich der Erreger über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen kann.
In Washington ruft der Vorfall Erinnerungen an die frühe Phase der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 wach, als verlässliche Informationen zunächst ebenfalls ausblieben und die internationale Gemeinschaft nur verzögert reagieren konnte.
Maßnahmen vor Ort
In Irkutsk selbst hat die Situation konkrete Konsequenzen: Ein Krankenhauskomplex, dem auch eine Geburtsklinik angehört, wurde unter Quarantäne gestellt. Die örtlichen Behörden, die den Fall als „besonders gefährliche Infektion“ eingestuft haben, ordneten darüber hinaus regionale Anti-Seuchen-Maßnahmen an – darunter die Absage von Veranstaltungen sowie eine Maskenpflicht.
Im 14. Jahrhundert raffte die Pest in Europa bis zu 50 Millionen Menschen dahin.
Auch die Lungenpest verläuft ohne rasche medizinische Behandlung in der Regel tödlich.