Seit 1963 prägte es die Wiener Innenstadt mit süßsauren Spezialitäten und barockem Ambiente – nun schließt das China-Restaurant „Shanghai“ nach über sechs Jahrzehnten seine Pforten.
Ein Stück Wiener Gastrogeschichte verabschiedet sich: Das China-Restaurant „Shanghai“ in der Jasomirgottstraße in Wien-Innere Stadt sperrt am 22. Februar endgültig zu. Seit seiner Eröffnung 1963 – als erst zweites chinesisches Lokal der Stadt – prägte das Etablissement mit seinen süßsauren Spezialitäten und dem barocken Ambiente die kulinarische Landschaft der Innenstadt. Bemerkenswert blieb die Beständigkeit des Lokals, das inmitten ständiger Veränderungen im Umfeld seinen Charakter bewahrte.
Während die Gastronomieszene um es herum einem stetigen Wandel unterlag, hielt das „Shanghai“ mit seiner rot-goldenen Einrichtung, den Goldlöwen, Laternen und Drachen unbeirrt an seiner Identität fest – ein Konzept, das von einer treuen Stammkundschaft honoriert wurde.
Urbans Weiterführung
Nach dem Ableben des Gründers führte Tim Urban gemeinsam mit seiner Mutter den Betrieb weiter. Unterstützung erhielten sie vom Weinhändler und Sommelier Robert Stark, der nicht nur als Lieferant fungierte, sondern auch regelmäßig als Gastgeber in Erscheinung trat.
Urban, der bereits Erfahrung als Betreiber des beliebten „Sichuan“ im Wiener Donaupark mitbrachte, modernisierte das traditionsreiche Lokal behutsam, ohne dessen charakteristische Atmosphäre zu opfern. Der Abschied aus dem ersten Bezirk bedeutet für ihn keinen vollständigen Rückzug aus der Gastronomie.
Im „Sichuan“ wird Urban weiterhin tätig bleiben und plant dort, mit gezielten Innovationen das Profil des Restaurants zu schärfen.
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„Ich hätte ja gerne an diesem Standort weiter gemacht. Doch meine Familie und das Sichuan im Donaupark verlangen jetzt meine größere Aufmerksamkeit“, erklärt Urban gegenüber Gastro News.
Türkis übernimmt
Laut Gastro News wird die Gastro-Kette „Türkis“ den Standort übernehmen. Das für orientalische Küche bekannte und rasch expandierende Unternehmen verfolgt ein vielseitiges gastronomisches Konzept.
In der Goldschmiedgasse in Wien-Innere Stadt hat „Türkis“ bereits erfolgreich einen ehemaligen „Wienerwald“ transformiert und serviert dort neben Hummus und Falafel auch traditionelle Wiener Gerichte. Diese Strategie soll nun auch in der Jasomirgottstraße fortgeführt werden.
Die opulente Inneneinrichtung des „Shanghai“ bleibt weitgehend erhalten, wird jedoch mit einer neuen kulinarischen Ausrichtung kombiniert. Die Verbindung aus prachtvoller Dekoration, Levante-Küche und Wiener Schnitzel mag ungewöhnlich erscheinen, könnte jedoch genau die Frische sein, die der Standort benötigt.
Mit dem Ende des „Shanghai“ schließt sich ein Kapitel, das mehr als sechs Jahrzehnte umspannte.
Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Ort, der nie im Rampenlicht stand, aber stets eine besondere Stellung in Wiens Gastronomiewelt einnahm.