Fremde Personen, aufgebrochene Briefkästen und ein angemeldetes Gewerbe – in Wien zeigt sich, wie leicht die ID Austria für Identitätsmissbrauch genutzt werden kann.
Eine Sicherheitslücke in der ID Austria ermöglicht es, dass sich Personen unbemerkt an fremden Adressen anmelden können. Dies zeigt sich am Fall eines Wieners, der nach seinem Einzug in einen Neubau plötzlich Post für eine unbekannte Person erhielt. Diese hatte nicht nur die Adresse für sich beansprucht, sondern dort auch ein Gewerbe angemeldet.
Die Situation verschärfte sich, als der Briefkasten des rechtmäßigen Mieters aufgebrochen wurde. Bei der Polizei stieß er zunächst auf wenig Interesse. Erst beim dritten Besuch nahm eine Beamtin den Fall ernst und deckte auf, dass neben dem eigentlichen Mieter zwei weitere Personen an derselben Adresse gemeldet waren – beide mit dem ersten „Phantom“ als angeblichem Vermieter.
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Lücke im System
Das Problem liegt in der Konstruktion der ID Austria: EU-Bürger können sich ohne Nachweis an einer beliebigen Adresse registrieren. Der tatsächliche Bewohner erfährt davon nichts – mit einer Ausnahme: Die ORF-Beitrags Service GmbH informierte den rechtmäßigen Mieter, dass für seine Adresse bereits ein Beitragskonto auf den Namen des „Phantoms“ existierte.
Reformbedarf besteht
Während die Regierung sich für ihre Leistungen selbst lobt, bleibt diese gravierende Sicherheitslücke bestehen. Die politischen Spitzen – Christian Stocker, Andreas Babler und Beate Meinl-Reisinger – präsentierten kürzlich eine Erweiterung des „Billigstrom-Gesetzes“, doch diese temporären Maßnahmen lenken von strukturellen Problemen ab.
Die österreichische Bürokratie mag in vielen Bereichen effizient funktionieren, doch bei der ID Austria besteht dringender Reformbedarf.
Die Möglichkeit, sich unbemerkt an fremden Adressen anzumelden, ist keine Bagatelle – sie öffnet Missbrauch Tür und Tor und kann für die Betroffenen weitreichende Konsequenzen haben.