Ein Abschiedsbrief, der Tausende bewegt – und Worte, die eine Witwe lange für sich behielt.
Protojerej-Hadschi Bogdan Stjepanovic aus Bijeljina ist tot. Der 38-jährige Priester erlag nach langer, zermürbender Krankheit seinem Leiden – nur zwei Monate nachdem er sich in Istanbul einer Lebertransplantation unterzogen hatte. Sein Kampf, sein Glaube und die Würde, mit der er bis zuletzt seinen Weg gegangen war, haben weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus tiefe Spuren hinterlassen.
Besonders berührt hat viele Menschen die Geste eines Freundes: Priester Darko Peric aus Pilica spendete Bogdan Stjepanovic 60 Prozent seiner eigenen Leber – in der Hoffnung, dem Kollegen das Leben zu retten. Doch trotz aller Opferbereitschaft, trotz der Gebete und der Anteilnahme Tausender hielt das Herz des jungen Priesters nicht stand. Er hinterlässt seine Frau Jovana und vier Töchter.
Brief aus dem Krankenhaus
In den sozialen Medien wandte sich Jovana Stjepanovic nun an die Öffentlichkeit und teilte Auszüge aus einem Brief, den ihr Mann ihr und den Kindern aus dem Krankenhaus geschrieben hatte. Einen Teil dieses Briefes hatte sie bislang bewusst zurückgehalten – weil er Botschaften enthielt, die nur für die Familie bestimmt waren. Nun gab sie auch diese Zeilen frei. „Das Originalschreiben war außerordentlich erschütternd“, erklärte sie. „Damals haben wir einen Teil gekürzt – Dinge, die sehr persönlich waren, Botschaften an seine Töchter und an mich. Jeder von uns sollte sich fragen, wie sehr wir wirklich an unsere Familie denken – und inwieweit die Familie tatsächlich unsere Kirche ist.“
In dem Brief selbst entfaltete Vater Bogdan in eindringlichen Worten seine tiefste Überzeugung von Liebe, Ehe und Familie. Er widmete ihn seiner „Sarajka Jovana“ und seinen vier Töchtern, denen er zärtliche Kosenamen gab: Hristina, die weise Eule; Teodora, das zärtliche Panda; Marija, der kleine Mungo; und Lida, der Komodowaran. „Der Herr hat dem Menschen bei der Schöpfung selbst etwas Erhabeneres als allen Geschöpfen geschenkt – Liebe und Familie“, schrieb er. „Und so besiegelte er durch die Ehe das erste heilige Geheimnis, das Geheimnis über allen Geheimnissen, denn in ihm vereinen sich Himmel und Erde, Gott und Mensch, Seele und Seele.“ Die Kirche, so Vater Bogdan, sei kein Gebäude – sie sei ein Heim, in dem Christus wohne. Und der erste Altar sei der Familientisch gewesen.
Kreuz als Segen
Sein Kreuz, schrieb er, trage er nicht als Last, sondern als Segen. „Denn auf ihm wächst, wie auf Golgatha, die Liebe zu Ihm, aber auch zu ihnen – meiner Sarajka Jovana, einer Frau, die stärker ist als viele Ritter, und zu meinen vier Töchtern, vier Lichtern meines Hauses, vier Flammen in der Nacht, vier Perlen, die der Himmel in meine Arme gelegt hat.“
Über seine Familie sprach er als über seinen eigentlichen Halt in den dunkelsten Stunden. „Wenn es mir schwerfiel, waren sie meine Stille und meine Kraft. Wenn ich fiel, hoben ihre Hände mich auf, so wie Engel den Menschen vor dem Angesicht Gottes aufrichten.“ Die Familie sei die erste Schule des Glaubens, das erste Kloster, die erste Liturgie – ein Ort, wo Gebet durch Schmerz gelernt werde und Dankbarkeit durch jeden Atemzug. „Und wenn Tränen fließen, sollen sie fließen, denn auch Christus weinte über Lazarus. Tränen sind keine Schwäche – sie sind Flüsse, die die Seele reinigen.“
Am Ende seines Briefes formulierte Vater Bogdan, was er sich als Inschrift seines Lebens wünschte: „Wenn es etwas wert ist, in den Stein eines jeden von uns eingraviert zu werden, dann sei es dies: Hier lebte ein Mensch, der sein Kreuz mit Liebe trug und eine Frau und Kinder hatte, die ihm das Paradies auf Erden waren.“ Und er schloss mit den Worten des Apostels Paulus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“