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UNGEWÖHNLICH

Profi-Kuschlerin: „Ich halte meine Kunden wie ein Baby im Arm“

(FOTOS: Facebook/@elisacuddler)

Elisa Meyer ist professionelle Kuschlerin und kuschelt beruflich mit fremden Menschen – aber nicht sexuell. Besonders in Zeiten von Corona ist ihr Beruf stark gefragt.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie steigt das Bedürfnis nach Körperkontakt. Für Elisa Meyer und ihr Kuschelnetzwerk „Kuschelkiste“ bedeutet das viel mehr Arbeit. Die 34-jährige ist nicht nur Profikuschlerin sondern auch die Gründerin des Unternehmens. Sie bietet Kuschelstunden, Kuschelpartys und Workshops an und bildet angehende Kuschler aus. In einem Interview mit dem Standard hat sie von ihrem Job erzählt.

„Meine liebste Kuschelposition ist die Wiege. Dabei lehnen sich meine Kundinnen und Kunden rückwärts an mich, und ich kann sie wie ein Baby im Arm halten. Dabei kraule ich ihren Kopf oder Nacken. Das ist mein Job, ich bin professionelle Kuschlerin“, erzählt Meyer.

Vor vier Jahren hat die damals 30-Jährige von beruflichen Kuschlern in den USA gelesen. Da es im deutschsprachigen Raum zu dem Zeitpunkt noch keine Kuschler gab, ließ sich Elisa Meyer bei den Koryphäen in Großbritannien und den USA ausbilden. 2016 gründete sie dann in Wien – wo sie gerade ihr Doktorat macht – den Verein Kuschelkiste.

„Ich fühlte mich mit Fremden schon immer schnell wohl, konnte sie in den Arm nehmen. Da schien mir der Job wie für mich geschaffen“

Mittlerweile lebt die professionelle Kuschlerin in Leibzig und kuschelt hauptberuflich. Anfang des Jahres zählte die Kuschelkiste 50 Kuschler in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Corona-bedingt schrumpfte das Unternehmen jedoch auf cirka 30 Personen.

Kuscheln mit Maske
Derzeit wird Lockdown-bedingt nicht gekuschelt, doch normalerweise bietet die Kuschelkiste auch Kuschelstunden unter Corona-Bedingungen, die auch für Friseure oder Masseure gelten, an: „Das heißt, wir kuscheln mit Maske, fassen uns nicht zu viel ins Gesicht und bevorzugen abgewandte Kuschelpositionen, wie Löffelchen. Bei ängstlicheren Kunden mache ich zum Beispiel, Streichelmassagen mit Abstand“, erzählt Meyer.

Kunden kommen aus Einsamkeit
Ich merke, dass gerade in Corona-Zeiten das Bedürfnis nach Berührung wiederentdeckt wird und sich die Menschen nicht mehr so dafür schämen“, sagt Meyer. Denn die Isolation sei anstrengen, stressig und psychisch belastend. Viele würden gerade jetzt erkennen, „dass man etwas dagegen tun kann, dass Körperkontakt wichtig ist.“

Bereits vor Corona kamen die Kunden vor allem aus Einsamkeit zu Elisa Meyer. Cirka 70 Prozent ihrer davon sind Männer: „Das liegt wohl daran, dass Männer mehr Berührungsmangel haben, unterkuschelt sind und immer noch ein Männerbild vorherrscht, dass sie stark sein müssen. Ich denke, dass Frauen mehr Möglichkeiten haben, sich ihre Kuscheleinheiten zu holen, etwa bei Freundinnen.“

Auch wenn professionelles Kuscheln intim ist, ist es nicht sexuell oder romantisch. Elisa Meyer kommuniziert das ihren Kunden auch klar in einem Vorgespräch und lässt sie auch einen Vertrag unterzeichnen: „Wir kuscheln angezogen, in gemütlicher Kleidung – Jogginghose statt Jeans – und es darf weder unters T-Shirt gefasst noch Geschlechtsteile, Brüste und Po gestreichelt werden.“

Sollte sich jemand nicht an diese Regeln halten, wird er ermahnt und im schlimmsten Fall wird abgebrochen. Das sei jedoch noch nie passiert, meint Meyer. Allerdings sei es schon ab und zu vorgekommen, dass Männer durchs Kuscheln erregt wurden. Dies sei jedoch nicht schlimm, „sondern normal, wenn man lange einsam war. Dann machen wir eine Pause und ändern die Position.“

Nicht anerkannt
Bisher ist „Kuscheln“ als Beruf noch nicht anerkannt, dochElisa Meyer arbeitet gerade daran Kuscheltherapie auch in der Forschung zu etablieren. Daher hat sie eine Umfrage gestartet, um Fakten über deren Wirkung zu sammeln.

Quellen und Links:

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