Am 9. August legen Italiens Strandbad-Betreiber für zwei Stunden ihre Arbeit nieder. Dies ist ein historisches Ereignis, denn sie protestieren gegen die Privatisierungspläne der Regierung unter der Führung von Premierministerin Meloni sowie der EU-Kommission. Der Verband Fipe Confcommercio, der die Interessen der zahlreichen „Stabilimenti balneari“ vertritt, gab bekannt, dass die Badeeinrichtungen in dieser Zeit geschlossen bleiben werden.

Die Protestaktion wirft Schlaglichter auf den seit Jahren anhaltenden Konflikt um die Vergabe staatlicher Konzessionen für den Betrieb der Strandbäder. Diese befinden sich meist in malerischen Küstenabschnitten und sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des italienischen Sommers. Doch nun steht ihre Zukunft auf dem Spiel. Die Betreiber fühlen sich durch die anhaltende Unsicherheit und politische Untätigkeit in eine Ecke gedrängt.
Hintergrund des Streits
Die Auseinandersetzung hat ihren Ursprung in einer EU-Direktive aus dem Jahr 2006, die eine europaweite Ausschreibung für die Lizenzvergabe fordert. Eine Maßnahme, die in Italien bisher erfolgreich umgangen wurde, zum Leidwesen von Brüssel, das bereits zwei Strafverfahren gegen das Land eingeleitet hat. Die Strandbad-Betreiber beharren darauf, dass eine solche Öffnung des Marktes nicht nur ihre Existenz bedroht, sondern auch die traditionelle italienische Strandkultur untergräbt.
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Wirtschaftliche Sorgen und Kriminalität
Neben den Existenzängsten der Betreiber offenbart der Streit auch eine Schattenseite des Geschäfts: Korruptionsvorwürfe, mutmaßliche Verbindungen zur Mafia und eine staatliche Einnahmequelle, die im Vergleich zu den geschätzten Umsätzen der Bäder verschwindend gering ausfällt. Kritiker werfen den Betreibern zudem vor, durch hohe Eintrittspreise den Zugang zu öffentlichen Stränden für Einheimische und Touristen zu erschweren.