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Familienliebe

„Samo još ovo!“ – warum der Kofferraum nach jedem Balkan-Besuch explodiert

„Samo još ovo!“ – warum der Kofferraum nach jedem Balkan-Besuch explodiert
(FOTO: Mit KI erstellt)
4 Min. Lesezeit |

Du bist bereit für die Rückfahrt nach Österreich. Koffer sind verstaut, Kinder sitzen im Auto, Navigation läuft. Dann kommt Mama mit einer Tasche. „Samo još ovo.“ Nur noch das. Zehn Minuten später ist der Kofferraum voller als bei der Hinfahrt.

Eigentlich hattest du einen Plan. Zwei Koffer, eine Reisetasche, vielleicht noch ein Rucksack. Alles passt perfekt. Bis die Familie merkt, dass du abreist. Dann beginnt das Einladen: Ajvar, Käse, Kuchen, Gemüse aus dem Garten, etwas für die Kinder, eine Dose Essen für morgen, vielleicht noch zwei Flaschen „weil es das in Österreich nicht gibt“. Und selbstverständlich immer begleitet von denselben Worten: „Samo još ovo.“

„Mama, nemamo mjesta!“

Man versucht es natürlich: „Wir haben keinen Platz mehr.“ Eine sachliche Information. Messbar. Der Kofferraum ist voll. Mama schaut hinein, kurze Pause: „Ima.“ Da ist Platz. Und erstaunlicherweise findet sie tatsächlich irgendwo noch eine Lücke. Balkan-Eltern verfügen über eine Form von Kofferraum-Tetris, die offenbar nicht erlernbar ist.

Die Tasche, die niemand bestellt hat

Besonders schön ist, dass viele Dinge ungefragt mitgegeben werden. Du hast keinen Käse verlangt. Kein Problem. Du bekommst Käse. Du hast zu Hause genug Paprika. Trotzdem kommen Paprika mit. Du hast gestern gesagt, dass dir der Kuchen schmeckt. Großer Fehler. Jetzt reist ein halbes Blech mit nach Wien. „Pojest ćete.“ Ihr werdet es schon essen. Und meistens stimmt das sogar.

Essen ist Reiseproviant – auch für morgen

Natürlich braucht man zusätzlich etwas für die Fahrt. Sandwiches, Wasser, Obst, vielleicht Pita. Selbst wenn man vor 20 Minuten noch gemeinsam gefrühstückt hat. „Da imate putem.“ Damit ihr unterwegs etwas habt. Du erklärst, dass es entlang der Autobahn Tankstellen und Restaurants gibt. Diese Information verändert nichts. Ein Balkan-Elternteil schickt sein Kind nicht zehn Stunden auf die Autobahn, ohne genügend Essen für einen kleineren Grenzstau dabeizuhaben.

Der Garten fährt mit nach Österreich

Im Sommer erreicht das Ritual seine höchste Stufe. Tomaten, Paprika, Gurken, Kartoffeln, Zucchini, Feigen, vielleicht Weintrauben. „Naše je.“ Das ist aus unserem Garten. Und damit ist jede weitere Diskussion beendet. Denn natürlich schmecken die Tomaten von zu Hause besser. Zumindest wird man das spätestens beim nächsten Telefonat bestätigen müssen.

„Nemoj kupovati tamo“

Dahinter steckt manchmal sogar ein kleiner wirtschaftlicher Gedanke. Warum solltest du in Österreich etwas teuer kaufen, wenn zu Hause genug davon da ist? „Nemoj tamo kupovati.“ Kauf das dort nicht. Also kommen Dinge mit, die es selbstverständlich auch in jedem österreichischen Supermarkt gibt. Aber eben nicht von Mama, nicht aus Omas Garten, nicht selbst gemacht. Und genau deshalb sind sie für viele eben doch nicht dasselbe.

Der Grenzblick in den Kofferraum

Irgendwann unterwegs erinnert man sich plötzlich daran, wie viel eigentlich hinten im Auto liegt. Man schaut kurz in den Rückspiegel, dann zum Beifahrer. „Koliko imamo hrane?“ Wie viel Essen haben wir eigentlich mit? „Ne znam.“ Vielleicht ist es besser, nicht genau nachzurechnen.

Eigentlich packen sie Fürsorge ein

So lustig ein völlig überladener Kofferraum sein kann, steckt dahinter meist etwas sehr Einfaches. Eltern und Großeltern möchten einem etwas mitgeben. Sie können nicht mit nach Österreich fahren. Also fahren Ajvar, Kuchen, Gemüse und eine Dose Sarma mit. „Nimm das mit“ bedeutet manchmal einfach: Ich kann dir nicht jeden Tag etwas kochen, also gebe ich dir jetzt genug für die nächsten Tage.

Vielleicht ist deshalb auch die Tasche, über die man sich beim Einladen noch beschwert hat, zu Hause plötzlich die erste, die geöffnet wird.

Und die Dosen?

Die müssen selbstverständlich zurück. Beim nächsten Besuch. Am besten nicht leer. Aber das ist wieder eine andere Balkan-Geschichte.

Was landet bei euch garantiert im Kofferraum, wenn ihr vom Balkan zurück nach Österreich fahrt?

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KO KOSMO-Redaktion
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