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Serbien kehrt EU den Rücken: Beitrittspläne auf Eis gelegt?

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(FOTO: zVg.)

Brüssel verlangt vom Beitrittskandidaten Serben eine Lösung der Kosovo-Frage. Nun denkt die serbische Regierung einen Politikwechsel weg von der EU an.

„Wenn für die EU die Schlüsselfrage die Lösung des Kosovo-Problems ist, eines Problems, an dessen Entstehung die EU mitgewirkt hat, dann sollten wir über die Änderung der Prioritäten unserer Außenpolitik nachdenken“, so der serbische Verteidigungsminister Aleksandar Vulin und fügte hinzu, dass die Union nur eine Rechtfertigung dafür suche, um Serbien eine Mitgliedschaft zu verweigern.

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So der kosovarische Parlamentspräsident und Vorstand der Demokratischen Partei Kosovo, Kadri Veseli gegenüber „Kosova Press“.

 

Beitrittsaussicht zurückgezogen?
Vor einigen Monaten stellte die EU-Kommission Serbien einen Betritt bis zum Jahr 2025 in Aussicht. Davon wollten aber weder der französische Präsident, Emmanuel Macron, und die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, etwas hören.

Beim EU-Balkan-Gipfel in Sofia, der vergangenes Wochenende stattfand, wurde dieses „Zieldatum“ relativiert. Merkel lehnte dort jegliche Aussichten für weiteren EU-Beitritte, mit semi-fixierten Jahreszahlen, ab. „Die sechs EU-Aspiranten auf dem Balkan müssen durch Reformen in Richtung Rechtsstaatlichkeit erst beitrittsreif werden“, ergänzte Merkel. Unterstützende Worte hatte Bundeskanzler Kurz für Serbien und Montenegro. Er bezeichnete einen Beitritt bis 2025 als „ambitioniert, aber gleichzeitig machbar“.

Anti-EU-Stimmung immer lauter
Die serbische Bevölkerung habe laut einigen Meinungsforschern und Medienberichten das lange Warten auf einen Beitritt satt. So sprachen sich insgesamt 81 Prozent der Serben gegen die Anerkennung des Kosovos aus, auch wenn diese Voraussetzung für eine EU-Mitgliedschaft Serbiens wäre. (KOSMO berichtete)

Auch der Regisseur, TV-Moderator und Journalist, Boris Malagurski, äußerte sich auf Facebook negativ über Berichte darüber, dass Serbien einen Politikwechsel weg von der EU anstrebe: „Sie haben uns eine Mitgliedschaft versprochen, sobald wir Milošević, dann Karadžić und schließlich auch Mladić ausliefern, und nun sobald wir den Kosovo anerkennen – das wird es nicht spielen, es waren genug Bedingungen.“

Kosovo-Mythos und serbischer Nationalismus
Die territorialen Ansprüche Serbiens auf das Kosovo gibt es nicht erst seit Kurzem, sondern reichen lange in die Geschichte zurück. Rund um den Kosovo rankt sich ein unglaublich dichtes Netz an Geschichten und Mythen, welche für die serbische Geschichte und in weiterer Folge für das Selbstverständnis der Serben als Volksgruppe mehr als essentiell sind.

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Der kosovarische Ministerpräsident Ramush Haradinaj kündigte Arbeiten an einem Statut für die serbischen Gemeinden im Kosovo an. Die EU begrüßt dieses Vorhaben.

 

Die Basis stellt die Schlacht am Amselfeld (Kosovo polje) dar, welche sich am 28. Juni (jul.) 1389, unweit von Priština, ereignete. Bis heute dieser Tag, Vidovdan (St. Veitstag), ein Feiertag in Serbien – ein Gedenken an die Schlacht. Der Einfluss und die Wichtigkeit haben über die Jahrhunderte seit der Schlacht nicht abgenommen und bestimmen bist heute sowohl gesellschaftliche als auch politische Gegebenheiten in Serbien und dem Kosovo selbst.

Mehr dazu: Vidovdan: Der Kosovo-Mythos als Grundlage der serbischen Identität

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