Wien und Belgrad suchen gemeinsam nach einem Ausweg – und ein Nachbarland liefert dabei die entscheidende Vorlage.
Österreich signalisiert Rückendeckung für serbische Transportunternehmen: Beim Thema Schengen-Einschränkungen für LKW-Fahrer aus Serbien und dem weiteren Balkanraum zeichnet sich diplomatische Bewegung ab. Marko Cadez, Präsident der Wirtschaftskammer Serbiens, reiste zu Gesprächen nach Wien und traf dort sowohl Severin Gruber, Generalsekretär des österreichischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus, als auch Marta Sulc, Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich.
Schengen-Regelung im Fokus
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die sogenannte 90/180-Regelung des Schengen-Raums, die die Aufenthaltsdauer von Drittstaatsangehörigen in der EU auf 90 Tage innerhalb von 180 Tagen begrenzt – eine Bestimmung, die für Berufskraftfahrer aus Nicht-EU-Ländern erhebliche praktische Probleme mit sich bringt. Die Brisanz des Themas zeigte sich erst Ende Januar 2026, als Lkw-Fahrer in Serbien, Bosnien, Montenegro und Nordmazedonien die EU-Außengrenze blockierten. Die Blockade wurde erst nach einer Zusage der EU-Kommission zur Überarbeitung der Schengen-Regeln beendet.
Cadez zeigte sich nach den Treffen zuversichtlich: Sowohl das Ministerium als auch die Wirtschaftskammer hätten Verständnis für die Lage signalisiert und ihre Unterstützung für eine tragfähige Lösung zugesagt. „Das ist nicht nur für Serbien wichtig, sondern auch für die europäischen Lieferketten“, betonte er. Die EU-Kommission erklärte, sie werde eng mit Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um pragmatische Lösungen zu finden, die verlängerte Kurzaufenthalte für ausgewählte Kategorien von Drittstaatenangehörigen, einschließlich Lkw-Fahrer, ermöglichen.
Als konkretes Vorbild nannte Cadez den Ansatz Kroatiens: Das kroatische Innenministerium hat eine Novelle des Fremdengesetzes vorgeschlagen, die ein Langzeitvisum von bis zu einem Jahr vorsieht – anstelle der bisher geltenden 30-Tage-Regelung. Ein solches Modell könnte, so die Hoffnung, auch auf EU-Ebene als Blaupause dienen.
Langjährige Partnerschaft
Neben der Transportfrage standen bei den Wiener Gesprächen auch die langjährigen Beziehungen zwischen den beiden Kammern auf der Agenda. Cadez erinnerte daran, dass die Wirtschaftskammer Österreich seit mehr als einem Jahrzehnt als eine Art Mentorin für die serbische Schwesterorganisation fungiert – unter anderem bei der Einführung des dualen Ausbildungssystems und beim Aufbau eines Zentrums für digitale Transformation, über das bislang fast 7.000 kleine und mittlere Unternehmen in Serbien begleitet wurden. Weitere Gesprächsthemen waren Energieversorgung, Infrastrukturentwicklung sowie grüne Technologien.
Für die kommenden Jahre ist eine Reihe gemeinsamer Initiativen geplant, darunter Wirtschaftsdelegationen, Veranstaltungen in mehreren österreichischen Regionen sowie ein großes Business-Forum in Wien im Herbst.
Besonderes Augenmerk gilt dabei der Weltausstellung EXPO 2027 in Belgrad, an der eine substanzielle Beteiligung österreichischer Unternehmen erwartet wird.