Abfällige Aussagen, Postenschieberei, Rücktrittsforderungen – für WKW-Präsident Walter Ruck wird die Luft immer dünner.
Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: In einem Privatgespräch soll er sich abfällig über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer (ÖVP) sowie über Siegfried Menz, den Obmann der Industriesparte in der Wirtschaftskammer Österreich, geäußert haben. Entsprechende Passagen wurden von „profil“ und „Krone“ veröffentlicht und befeuern eine Debatte, die bereits zuvor an Fahrt aufgenommen hatte. Schon in einem ersten Bericht hatten die beiden Medien aus einem vertraulichen Gesprächsprotokoll zitiert, in dem Ruck über Postenschiebereien und Machtspiele innerhalb der ÖVP gesprochen sowie sexistische Äußerungen getätigt haben soll.
Rücktrittsrufe laut
Die neuerlichen Berichte haben Rücktrittsforderungen ausgelöst. Stephan Zochling, der seine Forderung mit einer Unterschriftensammlung bekräftigen will, formulierte seine Kritik unmissverständlich: „Was diese Protokolle zeigen, ist kein Ausrutscher. Das ist die Geisteshaltung des Kammer-Kaisers Walter Ruck.“ Auch WKÖ-Chefin Martha Schultz schlug schärfere Töne an und legte Ruck einen Rücktritt nahe – seine Aussagen würden „in keiner Weise unserem Weltbild noch unserer Kultur, wie Entscheidungen getroffen werden“ entsprechen.
Die Affäre hat längst die bundespolitische Ebene erreicht. Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker verlangte Aufklärung und erklärte, die „medial kolportierten Aussagen“ seien „zutiefst irritierend“ und widersprächen dem Frauenbild sowie dem Politikverständnis der Volkspartei. Die Opposition ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt: FPÖ-Chef Herbert Kickl kommentierte die Vorgänge mit den Worten: „Was wir hier erleben, ist keine private Entgleisung, sondern ein Sittenbild der schwarzen Machtzirkel.“ Darüber hinaus soll Ruck darauf hingewirkt haben, einem seiner Söhne einen ÖVP-Listenplatz bei der Wien-Wahl zu verschaffen, und sich bei Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig für den ÖVP-Politiker Manfred Juraczka eingesetzt haben.
Ruck schließt Rücktritt aus
Trotz des massiven Drucks hat Ruck klargestellt, dass er nicht zurücktreten wird. In einem Interview erklärte er, seinen Posten als Präsident der Wirtschaftskammer Wien nicht aufgeben und seine bis 2030 laufende Amtsperiode zu Ende führen zu wollen. Die Wirtschaftskammer Österreich unter Präsidentin Martha Schultz reagierte auf die Postenschacher-Vorwürfe mit konkreten Schritten: Sie hat eine interne Prüfung eingeleitet und angekündigt, neue Compliance- bzw. Transparenzregeln für zukünftige Postenbesetzungen zu erarbeiten.
Rückhalt in der Kammer
Innerhalb der Wirtschaftskammer Wien hingegen erhält Ruck Rückendeckung. WKW-Vizepräsidentin Kriz-Zwittkovits widersprach der Darstellung, sie habe auf Rucks Geheiß auf eine Kandidatur verzichtet, um seinem Sohn den Weg freizumachen. Dass man in der Kammer nicht gewillt ist, den Präsidenten kampflos preiszugeben, zeigt auch eine WhatsApp-Nachricht von WKW-Direktor Florian Kollenz an Bezirksvertreterinnen und Bezirksvertreter: Man werde sich Ruck „sicher nicht herausschießen lassen“.