The Budims: „Unserem Denimshop mangelt es nicht an Persönlichkeit!“

INTERVIEW

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The Budims: „Unserem Denimshop mangelt es nicht an Persönlichkeit!“

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(FOTO: KOSMO)

„Trenne privat und beruflich stets voneinander“ – ein Ratschlag, den Magdalena und Markus Budim zu Wiens Glück nicht befolgten, als sie 2018 den Denimshop „The Budims“ im beliebten Wiener Raimundhof auf der Mariahilfer Straße eröffneten und damit einen blauen Farbklecks in unserem Leben hinterließen, der sich gewaschen hat.

2015 schloss das Power-Duo nicht nur den Bund fürs Leben, sondern wagte drei Jahre später mit der Eröffnung ihres Shops den Sprung in die Selbstständigkeit.

Dass es bei „The Budims“ weit mehr zu holen gibt, als nur qualitativ hochwertige Jeans, bewiesen uns die beiden 29-Jährigen Wiener mit Balkan-Wurzeln während unseres Interviews, als sie mit uns über Denim, Nachhaltigkeit, Gesellschaftskritik und vieles mehr sprachen…

KOSMO: Wann und wo wurde die Idee zum Denimshop „The Budims“ geboren?
Markus:
Wir haben immer schon eine große Vorliebe für Denim gehegt. Als schließlich der Wunsch in die Selbstständigkeit zu gehen, immer stärker wurde, war es naheliegend, dass auf jeden Fall ein Bezug zu dieser Materie hergestellt werden muss. (lacht)

Magdalena: Der ganze Prozess – von der Idee bis zur Verwirklichung – hat schließlich gute vier Jahre gedauert. Im Zuge dessen entstand allmählich der Traum, Wiens Denimdealer No. 1 zu werden und eine zugehörige Denim-Community aufzubauen. Wichtig war uns aber, vorher gründlich Wissen aufzubauen und in diesem Prozess unseren eigenen Stil zu finden.

Wie habt ihr euch auf dieses spezifische Marktsegment vorbereitet?
Markus:
Dafür haben wir uns vor allem durch die vorherrschende Denim-Begeisterung in Holland inspirieren lassen, besuchten zahlreiche Events wie etwa die „Amsterdam Denimdays“ und haben uns dazu regelmäßig selbstständig weitergebildet. Wir wollten nicht einfach ein Shop von vielen sein, der nur auf die Massenabfertigung abzielt und dem es an Persönlichkeit mangelt – stattdessen wollten wir etwas Einzigartiges schaffen.

Magdalena: Unsere Kundschaft soll sich bei uns inspirieren und informieren lassen, vielleicht auch etwas Neues wagen und wohlmöglich zu einem eigenen Stil finden. Denn ganz ehrlich, dass hier fast jeder ident aussieht und man Modeerscheinungen blauäugig hinterherjagt, ist wahnsinnig langweilig. Wir verstehen diesen Mitläufereffekt nicht. Viel lieber verfolgen wir unseren eigenen Style, selbst wenn dieser gerade nicht total in ist.

„Dass viele  Menschen Modeerscheinungen blauäugig hinterherjagen,
ist wahnsinnig langweilig. Wir verstehen diesen Mitläufereffekt nicht“
– The Budims

Was macht Denim eurer Meinung nach so besonders?
Magdalena:
Eine Jeans ist mit ihrer unfassbaren Wandelbarkeit, wie gemacht dafür, sich selbst ausleben zu können. Davon abgesehen, dass es auch hier jährliche Mode-Highlights gibt, die ebenfalls bei uns erhältlich sind, ist eine Jeans generell stets wie dein „partner in crime“. Sie soll folglich lange halten und viel miterleben. Mit der Zeit erhält sie – wenn es eben eine qualitative Jeans ist – individuelle Abnutzungseffekte durchs Eintragen, wie etwa Risse durch regelmäßige Reibungen und Verfärbungen durch Schlüssel, Handy oder Geldbörse.

Markus: Je nach Geschmack können sie jederzeit erneuert bzw. aufgefrischt oder gar durch Patsches, Nieten, Stitching und sonstige Individualisierungsmethoden aufgepeppt werden. Es werden dermaßen viele Entfaltungsmöglichkeiten geboten, dass es eigentlich gar kein Wunder ist, dass die Jeans seit ihrer Erfindung stets fester Bestandteil in jedermanns Kleiderschrank gewesen ist.

Nachhaltigkeit – mehr als nur ein Trend

Aber „The Budims“ hat sich nicht nur der Mode verschrieben, sondern verfolgt auch ein ernstes Bestreben, richtig?
Magdalena:
Ganz genau! Uns ist wichtig, bei unserer potenziellen Kundschaft ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass Qualität besser ist als Quantität. Nachhaltigkeit und Fair Trade sind nicht einfach nur ein Social Media Trend, der derzeit richtig abgeht, sondern ernstzunehmende Anliegen unserer Gesellschaft. Der günstige Preis einer Hose muss reflektiert werden! Zu bedenken ist nämlich, dass darin der Baumwollanbau, die gesamte Verarbeitung vom Material bis hin zur fertigen Jeans, die anschließende Bearbeitung zur Herstellung von Waschungen und Effekten, die Kontrolle, der Transport und vieles mehr steckt. Dabei nachhaltig zu arbeiten, auf humane Arbeitsbedingungen sowie gerechte Bezahlung zu achten und wohlmöglich auch noch lokal zu produzieren, ist schwierig, insofern sich der Kunde einen niedrigen Endpreis erwartet.

Markus:
Das Problem unserer Gesellschaft ist nun mal, dass wir viel zu leicht unsere Augen vor Dingen verschließen, die uns nicht direkt zu betreffen scheinen. Das heißt wiederum, dass wir es als unsere moralische Verpflichtung erachten, nicht nur unsere Kundschaft sondern auch alle anderen Österreicher für dieses Thema zu sensibilisieren, ihnen den Wert einer qualitativ hochwertigen Hose näherzubringen und ihnen auch die adäquate Widerverwendung beizubringen. Wir sehen es als Herausforderung an, sind aber irrsinnig froh, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben und somit unseren Traum in der lebenswertesten Stadt der Welt verwirklichen zu können.

Vor allem der „Stone Washed Jeans“ wird nachgesagt, dass die Produktion Unmengen von Wasser schluckt. Ihr wollt das veraltete Bild von „Denim als Umweltschädling“ aber bekämpfen. Wie geht ihr dieser Mission nach?
Markus:
Dazu gibt es unglaublich viel zu sagen! Korrekt ist auf jeden Fall, dass unsere geliebte Jeans im Allgemeinen einen schlechten Ruf hat. Dabei wird aber nicht unterschieden, von welcher Marke bzw. welchem Unternehmen die Rede ist, was wirklich unfair ist. Unzählige Jeanslabels haben dem schmutzigen Image bereits den Kampf angesagt, sind um mehr Nachhaltigkeit und Fairness bemüht und entwickeln sich stetig weiter. Auch unsere Partnermarken sind Teil dieser Revolution. Sie investieren durchgehend in Innovation, um die bestmögliche Technologie nutzen zu können und setzen auf regelmäßige Kontrollen, um ihre hohen Standards zu halten.

Galerie (2 Fotos):

Magdalena: Außerdem wird der bekannte „Stone Washed“-Effekt mittlerweile durch ökologischere Methoden wie etwa Laser, Ozone, Ice-blast oder Nano Bubbles hergestellt. Sie haben alle gemeinsam, dass der Verbrauch von Wasser, Energie sowie Chemikalien stark reduziert wird. Doch die Menschen über diese grandiosen Entwicklungen zu informieren, wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Geschuldet ist dies unter anderem dem weiterhin starken Konsum von Billigprodukten. Wir können nicht Nachhaltigkeit fordern und gleichzeitig billige Klamotten einkaufen. Es leuchtet doch ein, dass nachhaltige Prozesse ausgeklügelte, kostenintensive Filterprozesse, Sparmechanismen und Alternativressourcen benötigen. Hinzu kommt, dass Qualität ein wichtiges Kriterium darstellt, damit die Lieblingsjeans etwas aushält und sich mit der Zeit auch nicht verformt oder ausleiert.

Markus: Statt in Zukunft also unbedacht zur x-ten Billigjeans zu greifen, raten wir dazu, in eine bzw. ein paar wenige qualitativ hochwertige Hosen zu investieren, deren Produktion nachweislich nachhaltiger und transparenter ist und einen höheren Preis somit allemal rechtfertigt.

„Eine Jeans ist wie dein ‚partner in crime‘ – kein Wunder also,
dass sie seit ihrer Erfindung stets fester Bestandteil in jedermanns Kleiderschrank ist.“
– The Budims

Magdalena: In diesem ganzen Konstrukt fungiere wir also nicht nur als Anbieter von fortschrittlichen Denim-Marken sondern auch als Schnittstelle zwischen den Produzenten und unseren Kunden. Wir stehen stilberatend zur Seite, versuchen ein gewisses Know-How zum Thema zu vermitteln und halten unsere Community über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden. Davon abgesehen informieren wir auch unsere Marken über die Wünsche und Anliegen unserer Kundschaft. Dieser Austausch ist für beide Seiten ausgesprochen wichtig, denn nur so können die Bedürfnisse zeitgerecht sichergestellt werden.

Unterscheidet euch genau dieser persönliche Zugang von herkömmlichen Läden, die Denim anbieten?
Markus:
Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Konkurrenz groß ist und nicht schläft, aber Denim hat hierzulande ein riesiges Potenzial, das wir nutzen wollen. Wir bieten unseren Kunden einen modernen, einzigartigen Jeansladen, der das heutige Bedürfnis der Menschen nach mehr Individualität und Nachhaltigkeit aufgreift. Unsere Leidenschaft für dieses Thema leben wir voll aus und setzen darauf, dass diese auch auf unsere Kundschaft übergeht. Wir bemühen uns also, ihnen einen bestmöglichen Service zu bieten, eine gemütliche, inspirierende Atmosphäre zu schaffen und neuartige, kreative Events anzubieten.

Magdalena: So haben wir Ende Juni 2019 unser erstes größeres Event in Zusammenarbeit mit einer unserer Partnermarken „Denham“ auf die Beine gestellt. Beim „The Budims X Denham DIP DYE Event“ konnten Besucher neben coolen Beats, leckeren Snacks und Drinks, T-Shirts individualisieren und ihnen somit einen eigenen Touch verpassen. Unsere Kombination aus Denim, Beratung, Know How und Events ist einzigartig und hebt uns daher stark von anderen Läden ab. Das Feedback ist bisher auch durchweg positiv. Das macht uns unglaublich stolz.

Welche Ziele verfolgt ihr mit eurem Denimshop – Wohin soll euer Weg führen?
Magdalena:
Wir starten vorerst mit unserem kleinen Denimshop, der in Zukunft wachsen und erweitert werden soll. Das heißt zum einen, dass wir natürlich weitere Shops in Wien und irgendwann auch in ganz Österreich planen, zum anderen aber auch, dass wir das Thema Denim vollständig und in seiner ganzen Bandbreite aufgreifen wollen.

„Unsere Kombination aus Denim, Beratung, Know How und Events ist einzigartig und hebt uns daher stark von anderen Läden ab.“
– The Budims

Markus: Das umfasst unter anderem Serviceerweiterung im Bezug auf die Pflege sowie Reparatur der Jeans, regelmäßige Workshops als DIY-Anleitung für die Herstellung und Bearbeitung von Jeans, neuartige Events in Zusammenarbeit mit den Marken zur Förderung einer Denim-Community. All das soll in weiterer Folge dazu führen, dass wir Österreichs Denimdealer No. 1 werden und unser Land somit der Denimindustrie schmackhafter machen.

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