Tragisches Missverständnis vor den Toren einer Klinik: Als ein schwer kranker Mann dringend Hilfe brauchte, führte eine Verkettung von Fehlern zu fataler Verzögerung.
Ein schwer kranker Mann wurde von seiner Frau zur Ambulanz des Tauernklinikums Zell am See gebracht, wo sich sein Zustand auf dem Parkplatz rapide verschlechterte. Die Ehefrau alarmierte den Portier und bat dringend um ärztliche Hilfe. Nach anfänglichem Angebot eines Rollstuhls verständigte der Portier das Rote Kreuz über eine Kurzwahlnummer für Krankentransporte – ein Vorgehen, das den internen Richtlinien entsprach und das er sich von der diensthabenden Anästhesistin bestätigen ließ.
Wie aus der Sachverhaltsdarstellung des Roten Kreuzes hervorgeht, ging der Anruf am 13. Oktober um 7:57 Uhr ein. Die für Krankentransporte zuständige Mitarbeiterin nahm den Notruf entgegen und erfasste fälschlicherweise das Krankenhaus Schwarzach-St. Veit als Einsatzort. Nach vier Minuten traf der Rettungswagen dort ein, fand jedoch keinen Patienten vor.
Erst durch einen Rückruf der Leitstelle um 8:03 Uhr wurde der Irrtum aufgeklärt. Die Adresse war beim Entgegennehmen des Anrufs nicht überprüft worden – ein Abweichen vom Standardprotokoll. Daraufhin wurde ein Rettungswagen zum Parkplatz des Krankenhauses Zell am See geschickt, der elf Minuten nach dem ersten Anruf, um 8:08 Uhr, eintraf. Kurz darauf kam auch das Krankenhauspersonal zum Einsatzort.
Verzögerte Hilfe
In der Zwischenzeit hatte eine Kollegin des Portiers den kritischen Zustand des Patienten erkannt und ihren Kollegen informiert. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, löste der Portier daraufhin – entgegen den Vorgaben, aber angesichts der Dringlichkeit – den hausinternen Notfallalarm aus, etwa zwölf Minuten nach dem ursprünglichen Notruf. Zwei Ärzte und Pflegepersonal eilten mit Notfallausrüstung zum Patienten, zeitgleich mit dem eintreffenden Rettungsdienst samt Notarzt. Rund eine Viertelstunde nach dem ersten Hilferuf der Ehefrau begannen die Reanimationsmaßnahmen, die im Schockraum fortgesetzt wurden – jedoch ohne Erfolg.
Landesrettungskommandant Stefan Herbst erklärte in einem der APA vorliegenden schriftlichen Statement die Verzögerung, obwohl sich die Bezirksstelle des Roten Kreuzes im selben Gebäudekomplex befindet: „Es handelt sich um eine Verkettung von unglücklichen Umständen, beginnend mit der Verwendung der Kurzwahlnummer für Krankentransporte, anstatt des Notrufes. Täglich werden von den Krankenhäusern über die vorgesehene Kurzwahlnummer über 200 Krankentransporte angefordert und durchgeführt. Bei diesen Anrufen handelt es sich nie um Notfälle. Bei dem konkreten Anruf kam es zu keiner Abfrage der genauen Örtlichkeit, entgegen dem standardisierten Abfrageprozess. Den Angehörigen sprechen wir unser aufrichtiges Mitgefühl aus.“
Klinik reagiert
Silke Göttl, Geschäftsführerin des Tauernklinikums, bezeichnete den Vorfall als sehr bedauerlich. Man habe ihn zum Anlass genommen, die Notfallabläufe zu überprüfen. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass die vorgesehenen Prozesse grundsätzlich eingehalten wurden. Die Richtlinie für Notfälle in unmittelbarer Krankenhausnähe sei ein Standard, der in allen Kliniken existiere und regelmäßig alle zwei bis drei Jahre evaluiert werde.
Gegenüber dem ORF betonte Gottl: „Wir haben sehr viele verantwortungsbewusste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wirklich sehr viel Herzblut und Engagement in ihre Arbeit legen. Und wenn so etwas passiert, sind diese Kolleginnen und Kollegen natürlich auch betroffen und jeder überlegt, ob er oder sie etwas anderes hätte tun sollen. Und genau hier muss man das Personal unterstützen und nicht gleich nach einem Schuldigen suchen. Vielmehr muss man sich fragen, was passiert ist, warum es passiert ist, und, was man beim nächsten Mal besser machen kann.“
Das Tauernklinikum plant nun, die Spitalsvorgaben für externe Notfälle zu evaluieren, die rechtliche Situation für diesen speziellen Fall zu prüfen und die Richtlinien gegebenenfalls zu präzisieren, wie Geschäftsführerin Göttl am Donnerstag gegenüber dem ORF Salzburg ankündigte.