Drohungen, Raketen, brennende Häfen: Die Lage rund um die Straße von Hormus spitzt sich dramatisch zu.
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran im Falle von Angriffen auf amerikanische Schiffe mit vollständiger Vernichtung gedroht. Sollte der Iran Schiffe angreifen, die im Rahmen der neuen US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus eingesetzt werden, werde er „von der Erde gefegt“, zitierte Fox News den Präsidenten nach einem Interview. Trump betonte dabei auch die militärische Stärke seines Landes: Das US-Militär verfüge über mehr Waffen und Munition besserer Qualität als zuvor.
Der Kommandant des US-Zentralkommandos, Brad Cooper, gab am Montag bekannt, dass die USA 15.000 Soldaten, mehr als 100 Flugzeuge sowie Kriegsschiffe und Drohnen im Einsatz hätten. Laut Cooper wurden sechs kleine iranische Boote zerstört und vom Iran abgefeuerte Marschflugkörper sowie Drohnen abgefangen. All das diene der Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus, erklärte der CENTCOM-Chef. Iranischen Streitkräften riet er „dringend“, sich von US-Militäranlagen fernzuhalten.
Projekt Freiheit
Trump hatte bereits am Sonntag den Start einer Initiative unter dem Namen „Projekt Freiheit“ für Montag angekündigt, die darauf abziele, die Meerenge wieder für die internationale Schifffahrt zu öffnen. Zu Beginn der Initiative meldete das US-Militär, dass amerikanische Zerstörer durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf eingefahren seien. Zwei Handelsschiffe unter US-Flagge hätten das Seegebiet verlassen können, teilte das Regionalkommando CENTCOM auf X mit – unabhängige Bestätigungen lagen dafür zunächst nicht vor.
Die iranische Militärführung hatte ihrerseits mit Gegenwehr gedroht. Die Revolutionsgarden gaben an, mehrere Raketen als Warnung in Richtung von US-Kriegsschiffen abgefeuert zu haben. Aus Teheran kamen zudem Berichte, wonach zwei Raketen ein US-Kriegsschiff getroffen hätten – Angaben, die Washington umgehend dementierte.
Unterdessen berichtete auch der Oman von einem Angriff auf ein Wohngebäude. Die staatliche Oman News Agency meldete, dass die Region um Buch – eine vom übrigen Staatsgebiet getrennte Exklave an der Straße von Hormus – getroffen worden sei. Wer den Angriff ausgeführt hatte, war zunächst unklar. Bei dem Vorfall wurden laut der Nachrichtenagentur ausländische Arbeiter verletzt, die schwere bis mittelschwere Verletzungen erlitten hätten. Darüber hinaus seien vier Fahrzeuge beschädigt und in einem benachbarten Gebäude Fensterscheiben zerstört worden.
Eskalation am Golf
Zuvor hatten bereits die Vereinigten Arabischen Emirate Angriffe mit Raketen und Drohnen gemeldet. In einem Industriegebiet der Hafenstadt Fujairah brach infolgedessen ein Großbrand aus. Nach dem erneuten Angriff, den Abu Dhabi dem Iran zuschreibt, behielten sich die Emirate das Recht auf eine Reaktion vor und erklärten, die eigene Sicherheit und Souveränität schützen zu wollen.
Die Angriffe stellten eine „gefährliche Eskalation und eine inakzeptable Grenzüberschreitung“ dar und bedrohten unmittelbar Sicherheit, Stabilität und territoriale Integrität des Landes. Abu Dhabi forderte ein sofortiges Ende der Angriffe und machte den Iran „voll verantwortlich“ für die Angriffe und deren Folgen. Drei indische Mitarbeiter seien dabei verletzt worden, hieß es weiter.
Die USA wollen derweil im UN-Sicherheitsrat für eine Resolution zur Sicherung der Straße von Hormus eintreten. Der Iran solle darin aufgefordert werden, Angriffe und Drohungen gegen die Handelsschifffahrt einzustellen, keine Seeminen in der Meerenge zu verlegen und seine Versuche zur Erhebung illegaler Zölle zu beenden, erklärte US-Botschafter Mike Waltz. Der Resolutionstext werde gemeinsam mit Bahrain und weiteren Golfstaaten ausgearbeitet.
Auf die Frage, ob mit Widerstand im mächtigsten UN-Gremium zu rechnen sei, antwortete Waltz: „Wir können uns niemanden vorstellen, der der Tatsache widerspricht, dass man internationale Wasserwege nicht verminen und keine Zölle erheben darf.“ Wie die Forderungen konkret durchgesetzt werden sollen, ließ Waltz offen.