Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Pannenskandal

Tunnel-Hölle: 400 Passagiere im Dunkeln gefangen – ÖBB gesteht Fehler

Tunnel-Hölle: 400 Passagiere im Dunkeln gefangen – ÖBB gesteht Fehler
FOTO: ÖBB
3 Min. Lesezeit |

Stundenlang im dunklen Tunnel gefangen – für 400 Bahnreisende wurde die Fahrt nach Hamburg zum Albtraum. Nun gesteht die ÖBB schwerwiegende Fehler ein.

Nach einer Zugpanne in einem Tunnel zwischen Wien-Meidling und Tullnerfeld haben die ÖBB Versäumnisse bei der Evakuierung der rund 400 Fahrgäste eingestanden. Bei dem Vorfall am Samstag war ein ICE auf der Strecke von Wien nach Hamburg aufgrund technischer Probleme im Eisenbahntunnel Knoten Hadersdorf zum Stillstand gekommen. Die Passagiere mussten mehrere Stunden ohne Stromversorgung ausharren. „Das darf nicht mehr passieren“, erklärte das Unternehmen am Montag und kündigte eine gründliche Analyse des Vorfalls an.

📍 Ort des Geschehens

Obwohl es sich um einen Zug der Deutschen Bahn handelte, lag die Verantwortung für die Strecke bei den ÖBB. Das Bahnunternehmen räumte ein, dass die Reisenden früher über die Notausstiege hätten evakuiert werden sollen. Dennoch betonte der Konzern, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Fahrgäste bestanden habe, auch wenn in Tunnelsituationen grundsätzlich ein erhöhtes Verletzungsrisiko bestehe.

Komplizierter Rettungseinsatz

Der Rettungseinsatz gestaltete sich kompliziert, da der Zug in einem Gleisbogen zum Stehen kam und nicht wie geplant abgeschleppt werden konnte. Die Feuerwehr unterstützte schließlich bei der Evakuierung in einen Ersatzzug. Komplikationen entstanden, als einige Passagiere entgegen den Anweisungen des Personals den Zug verließen.

Aus Sicherheitsgründen musste daraufhin der Strom abgeschaltet und der Tunnel nach Personen durchsucht werden. Dies führte zu weiteren erheblichen Verzögerungen und Umleitungen des Fernverkehrs über die alte Weststrecke.

Im Ersatzzug verschärfte sich die Situation zusätzlich, da die Toilettenanlagen wegen fehlender Stromversorgung nach einiger Zeit nicht mehr benutzbar waren. Zur genauen Dauer dieses Zustands machte der Bahnbetreiber keine Angaben. Das Bordpersonal der Deutschen Bahn verteilte verfügbare Verpflegung und Getränke. Zwei Fahrgäste benötigten laut Rettungsdienst eine ambulante Versorgung.

⇢ Defekter Zug: 400 Menschen stundenlang in Tunnel gefangen (FOTO)

Kritik der Gewerkschaft

Am Abend erfolgte schließlich auch die Evakuierung des Ersatzzuges. Die Passagiere wurden über Notausstiege aus dem Tunnel geleitet. Laut Feuerwehr waren die Maßnahmen kurz vor 20 Uhr abgeschlossen, wobei die Reisenden nach Angaben der ÖBB „deutlich früher“ den Tunnel verlassen hatten. Ein genauer Zeitpunkt wurde nicht genannt.

Die Fahrgäste wurden zurück nach Wien gebracht, während die Bahnstrecke erst am Sonntag um 1.14 Uhr wieder vollständig freigegeben wurde. Der liegengebliebene ICE soll in Kürze nach Deutschland überführt werden. Die ÖBB sicherten zu, mindestens die vollen Ticketkosten zu erstatten.

Die Gewerkschaft vida forderte am Montag eine umfassende Analyse und konkrete Maßnahmen sowohl für die praktischen Abläufe bei Notfällen als auch für die organisatorischen Strukturen innerhalb der ÖBB. „Wenn eine Evakuierung im Tunnel mehrere Stunden dauert, dann ist das nicht nur ein technisches Problem“, kritisierte Olivia Janisch, stellvertretende Vorsitzende des Fachbereichs Eisenbahn in der vida.

Die Gewerkschaft betonte die Notwendigkeit von ausreichend qualifiziertem Personal, das in Ausnahmesituationen professionell handeln kann.

Konkrete Maßnahmen in Ausarbeitung

Wie aus aktuellen Informationen hervorgeht, wurden bei der ÖBB nach dem Vorfall interne Abläufe zur Evakuierung von Zügen im Tunnel einer umfassenden Überprüfung unterzogen. Konkrete Änderungen an den Sicherheitsprotokollen sind jedoch noch in Ausarbeitung und sollen nach Abschluss der Analyse kommuniziert werden.

Die Gewerkschaft vida geht in ihren Forderungen noch weiter. Sie verlangt verpflichtende Notfalltrainings für das Personal und eine Überarbeitung der organisatorischen Strukturen, um die Reaktionszeiten bei künftigen Zwischenfällen deutlich zu verkürzen. Eine effizientere Kommunikationskette könnte dabei helfen, Verzögerungen bei Evakuierungsmaßnahmen zu vermeiden.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen