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Faschismusvorwürfe

Zagreb-Konzert mit Nazi-Parolen – Bosnien fordert Protestnote gegen Kroatien

Zagreb-Konzert mit Nazi-Parolen – Bosnien fordert Protestnote gegen Kroatien
(Foto: EPA/ANTONIO BAT)
4 Min. Lesezeit |

Der bosnische Botschafter in Deutschland, Damir Arnaut, hat das jüngste Konzert des umstrittenen kroatischen Sängers Marko Perkovic Thompson in Zagreb scharf kritisiert. Bei der Veranstaltung, die rund 500.000 Besucher anzog, waren auch hochrangige kroatische Politiker, darunter der Parlamentspräsident, anwesend. Laut Arnaut wurden dabei nationalistische Parolen und Ustascha-Symbolik (kroatische faschistische Bewegung im Zweiten Weltkrieg) offen zur Schau gestellt.

In seinem Kommentar betont der Diplomat, dass viele Lieder Thompsons irredentistische Botschaften (Forderungen nach Eingliederung fremder Gebiete) enthielten, die die Souveränität und territoriale Integrität von Bosnien und Herzegowina infrage stellten. Dies allein rechtfertige bereits eine offizielle Protestnote des bosnischen Außenministeriums. Besonders problematisch sei jedoch die Verherrlichung nationalsozialistischer und Ustascha-Verbrecher in anderen Liedern des Sängers.

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Faschistische Symbolik

Arnaut zitiert aus einem beim Konzert vorgetragenen Lied: „1945 war ein schlechtes Jahr, es hat uns in alle Welt verstreut. Aber jetzt wächst ein neuer Weinstock, die Schwalben sind nach Hause zurückgekehrt, mit blauem Blut und weißen Gesichtern werden neue Kinder geboren.“ Der Botschafter bezeichnet diese Zeilen als eindeutig faschistisch und verweist auf ein weiteres Lied, das mit dem Ruf „Za dom spremni“ begann – dem Ustascha-Äquivalent zum nationalsozialistischen „Sieg Heil“, das von hunderttausenden Konzertbesuchern im Chor mitgerufen wurde.

In Zeiten, in denen solcher Hass nicht nur toleriert, sondern von Massen offen zelebriert werde, sei es umso wichtiger, klar Stellung zu beziehen, so der Botschafter. Er erinnert daran, dass 1945 die Befreiung von Auschwitz und Jasenovac (größtes Konzentrationslager des Ustascha-Regimes) markierte sowie den Sturz des NS-Regimes und seines Ustascha-Marionettenstaates bedeutete.

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Persönliche Betroffenheit

Der Diplomat verweist auf seine persönliche Familiengeschichte: Sein Großvater nahm an der Befreiung Sarajevos teil, seine Großmutter war an der Suche nach Tschetnik- und Ustascha-Kollaborateuren beteiligt, die sich in den Bergen versteckten – jenen Personen, die laut Arnaut nun von Thompson und seinen Anhängern verherrlicht würden.

Abschließend berichtet der Botschafter von einer kürzlich in Berlin organisierten Filmvorführung über den Holocaust-Überlebenden Emerik Blum. Der erschütterndste Moment des Films sei die Schilderung, wie ein Ustascha-Kommandant in Jasenovac den Kopf eines Kindes gegen eine Wand schlug. Die Erinnerung an dieses Kind und Millionen weitere Opfer sei durch das Konzert in Zagreb angegriffen worden, so Arnaut.

Der Botschafter fordert eine offizielle Protestnote Bosnien und Herzegowinas an Kroatien.

Weltrekord und internationale Kritik

Das Konzert von Thompson in Zagreb gilt mit über 450.000 verkauften Tickets laut Polizeiangaben als das größte bezahlte Konzert der Welt. Der umstrittene Sänger ist jedoch international in der Kritik, da ihm vorgeworfen wird, in seinen Liedern und Auftritten Sympathien für das faschistische Ustascha-Regime zu zeigen. In mehreren europäischen Ländern, darunter die Niederlande, die Schweiz und auch Bosnien selbst, wurden seine Konzerte bereits verboten.

Während Thompson betont, seine Musik stehe ausschließlich für Heimatliebe und Patriotismus, kritisieren Historiker und internationale Beobachter die wiederkehrende Verwendung von Ustascha-Symbolik und -Parolen bei seinen Auftritten, was besonders in den Nachbarländern wie Bosnien-Herzegowina für anhaltende diplomatische Spannungen sorgt.

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Sicherheitsaufgebot und Kritik

Die kroatischen Behörden und Veranstalter betonten, dass das Konzert trotz der enormen Menschenmenge ohne größere Zwischenfälle verlief. Für das Event waren rund 14.000 Einsatzkräfte mobilisiert, 123 Personen wurden vorübergehend festgenommen und 245 medizinische Einsätze registriert. Die Organisatoren erklärten, dass das Zeigen von Hass-Symbolen und einschlägiger Insignien offiziell verboten war.

Während das Konzert von Teilen der kroatischen Politik und Gesellschaft als patriotisches Großereignis gefeiert wurde, kritisierten andere – darunter ehemalige Regierungsmitglieder – die staatliche Unterstützung und die Verharmlosung nationalistischer Symbolik scharf. Der Vorfall droht nun die ohnehin komplexen Beziehungen zwischen den Nachbarstaaten weiter zu belasten.

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KO KOSMO-Redaktion
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