Zwei Umleitungen, Polizeieinsatz, kein Essen – was Passagiere auf einem Ryanair-Flug in einer einzigen Nacht erlebten, klingt kaum glaubhaft.
Was als gewöhnliche Kurzstrecke von London nach Tirana geplant war, entwickelte sich für die Passagiere des Ryanair-Fluges RK8288 am 3. Juni zu einer nächtlichen Odyssee mit zwei Zwischenlandungen, einem Polizeieinsatz und stundenlangem Hunger an Bord.
Der Auslöser war ein heftiges Unwetter über der albanischen Hauptstadt. Der Pilot entschied sich, das Flugzeug zunächst nach Brindisi in Apulien umzuleiten, wo die Reisenden mehrere Stunden auf besseres Wetter warteten. Als die Maschine schließlich wieder in die Luft ging, schien das Schlimmste überstanden – doch kurz vor Tirana folgte die nächste Hiobsbotschaft: Statt zu landen, wurde der Flug erneut umgeleitet, diesmal nach Thessaloniki.
Eskalation an Bord
An Bord herrschte zu diesem Zeitpunkt längst dicke Luft. Hungrig, durstig und zunehmend aufgebracht saßen die Passagiere stundenlang in der Maschine, ohne ausreichend mit Essen oder Getränken versorgt zu werden. Einige verloren die Geduld vollständig und forderten lautstark, dass der Pilot das Cockpit verlassen und sich persönlich erklären solle. „Der Pilot soll rauskommen und uns sagen, was hier eigentlich los ist“, schilderte einer der Betroffenen später gegenüber der britischen Zeitung The Sun. Nach der Landung in Thessaloniki versuchten rund zehn Passagiere, das Flugzeug kurzerhand zu verlassen – mit dem Argument, man könne sie nicht gegen ihren Willen festhalten.
Schließlich musste die griechische Polizei einschreiten, um die Lage zu beruhigen. Doch auch danach blieb es unruhig: Ein sichtlich betrunkener Mitreisender weigerte sich beharrlich, den Anweisungen der Crew Folge zu leisten, und musste von einer Flugbegleiterin zurück auf seinen Platz gebracht werden.
Erst gegen fünf Uhr morgens Ortszeit setzte die Maschine schließlich in Tirana auf. Als der Pilot über die Bordlautsprecher „Willkommen in Albanien“ verkündete, brach spontaner Applaus aus – wie die Schweizer Zeitung Blick berichtete.
Turbulente Flugserie
Der Vorfall reiht sich in eine Serie bemerkenswerter Flugdramatiken der jüngsten Zeit ein. Ein Cathay-Pacific-Flug von Los Angeles nach Hongkong endete 2025 nach einer wetterbedingten Umleitung nach Taipeh mit einer Gesamtreisezeit von rund 28 Stunden. Vergangene Woche musste eine Ryanair-Maschine auf dem Weg von Thessaloniki nach Memmingen kurz nach dem Start umkehren, nachdem sich ein Teil des Triebwerks gelöst und ein Kabinenfenster gebrochen hatte.
Und Ende Februar 2026 sah sich ein Jet2-Flug von Antalya nach Manchester zu einer Notlandung in Brüssel gezwungen – ausgelöst durch eine handfeste Schlägerei unter Passagieren.