Ein gebrochenes Schlüsselbein, ein Hubschrauber gegen ihren Willen – und eine Rechnung über 8.000 Euro. Der Fall einer Skifahrerin sorgt für Aufsehen.
Ende Jänner war Kathrin E. im Skigebiet Dachstein-West auf der Piste unterwegs, als ein unbekannter Mann sie anfuhr und anschließend flüchtete. Die Niederösterreicherin zog sich dabei einen Schlüsselbeinbruch zu – der Verursacher wurde bis heute nicht ermittelt. Bereits bei der ersten Versorgung vor Ort machte sich die Frau Gedanken über mögliche Kosten, da sie keine private Zusatzversicherung besitzt.
Sie wurde zunächst mit einem Schneemobil und der Seilbahn ins Tal gebracht, wo eine Ärztin ihre Transportfähigkeit bestätigte. Für den Weitertransport ins Krankenhaus war ein Rettungsauto vorgesehen – doch dieses erschien nicht. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes erklärte, aufgrund von Personalmangel und zeitlichen Engpässen sei ein bodengebundener Transport nicht möglich, weshalb nun ein Hubschrauber eingesetzt werde.
Kathrin E. widersprach ausdrücklich, woraufhin ihr der Rotkreuzmitarbeiter versicherte, dass bei einer Abholung von der Talstation keine Kosten für den Helikoptereinsatz entstehen würden.
Rechnung über 8.000 Euro
Diese Zusage hielten seine Kolleginnen und Kollegen offenbar nicht für bindend: Kurz darauf flatterte Kathrin E. eine Rechnung des Österreichischen Roten Kreuzes Salzburg ins Haus – über 8.027,77 Euro. Volksanwalt Bernhard Achitz kommentierte den Vorgang deutlich: „Das ist überhaupt nicht einzusehen. Der Flug war medizinisch gesehen unnötig, da waren sich alle einig. Kathrin E. hat ihn mehrfach abgelehnt und war erst bereit, in den Hubschrauber zu steigen, als ihr zugesichert wurde, dass sie nichts zahlen muss.“
Erst als die Volksanwaltschaft, die Arbeiterkammer Niederösterreich und die ORF-Sendung „Bürgeranwalt“ den Fall aufgriffen, ruderte das Rote Kreuz zurück und verzichtete auf die Forderung.
Strukturelles Problem
Volksanwalt Achitz nutzte den Vorfall jedoch, um auf ein strukturelles Problem hinzuweisen: Er kritisiert die „problematische Doppelfunktion des Roten Kreuzes in Salzburg: Es ist nicht nur für die Durchführung der Hubschrauberrettung zuständig. Das Land Salzburg hat das Rote Kreuz auch zur ‚Leitstelle‘ zur Koordinierung der Rettungs- und Krankentransporte gemacht. Das könnte man vermuten, dass das Rote Kreuz als Leitstelle gerne den Rotes-Kreuz-Hubschrauber schickt, um für Auslastung und Umsatz zu sorgen.“