Am Landesgericht Klagenfurt steht ein 50-jähriger fünffacher Familienvater unter schwerwiegenden Anschuldigungen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sexuellen Missbrauch und Gewaltausübung gegen seine Stieftochter vor. Der für Freitag angesetzte Verhandlungstermin wurde verschoben, da das Gericht weitere zentrale Zeugen vernehmen möchte. Dem Beschuldigten, der sämtliche Vorwürfe zurückweist, droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe.
Die Wahrheitsfindung soll beim kommenden Prozesstermin fortgesetzt werden, wenn Personen aus dem unmittelbaren familiären Umfeld aussagen werden.
Aussage des Opfers
Die knapp 14-jährige Stieftochter wurde in einer kontradiktorischen Einvernahme befragt. Ihre Aussagen konnten die Schöffen per Videoübertragung verfolgen. Auch der Angeklagte verfolgte die etwa 20-minütige Befragung auf seinem Monitor, äußerte sich jedoch nicht dazu.
Das Mädchen schilderte, wie sie sich abends, nachdem alle eingeschlafen waren, entkleiden musste und verschiedene Übergriffe erdulden musste. Diese Vorfälle hätten sich mehrmals wöchentlich ereignet und über einen Zeitraum von fast zwei Jahren erstreckt. Neben dem sexuellen Missbrauch berichtete sie von körperlichen Misshandlungen – tagsüber Schläge mit einem Kochlöffel oder Ohrfeigen bei nicht erledigten Hausaufgaben.
⇢ Dunkle Schatten über Leo XIV.: Drei Frauen erheben schwere Vorwürfe
Familiäre Situation
Das Mädchen ist inzwischen in einer betreuten Einrichtung untergebracht – getrennt von ihrem Stiefvater und ihrer Mutter. Der Beschuldigte und die 40-jährige Mutter haben fünf gemeinsame Kinder, die alle in einem SOS-Kinderdorf leben. Zu Prozessbeginn wurde bekannt, dass die häuslichen Verhältnisse als katastrophal einzustufen waren.
Die Nahrungsmittelversorgung sei mangelhaft gewesen. Die Schlafplätze bestanden aus provisorischen Matratzenlagern im Wohnzimmer sowie in Kinderzimmern, die eher Rumpelkammern glichen.
Die sexuellen Übergriffe sollen sich laut Aussage des Mädchens stets im Wohnzimmer ereignet haben, wo die Familie gemeinsam schlief. Die Vorfälle hätten sich nachts abgespielt, meist nach 22 Uhr, wenn der Stiefvater von der Arbeit heimkehrte.
Der 50-jährige Angeklagte behauptet hingegen, das Mädchen habe die Anschuldigungen erfunden. Er bestritt auf Nachfrage sowohl die sexuellen Übergriffe als auch die angeblichen Schläge mit dem Kochlöffel. Die Mutter, die insgesamt sieben Kinder hat, beschrieb das Familienleben als harmonisch.
Sie behauptete, ihre Tochter habe die Missbrauchsvorwürfe konstruiert, weil ihr das Mobiltelefon entzogen worden sei und weil sie erst mit zehn Jahren erfahren habe, dass der Angeklagte nicht ihr leiblicher Vater ist.
Situation in Kärnten
Der Fall reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Laut Angaben des Jugendamts Kärnten wurden allein im ersten Quartal 2025 zwölf Kinder aus familiär prekären Verhältnissen in betreuten Einrichtungen untergebracht, darunter mehrere Fälle mit Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung. Die Kapazitäten in SOS-Kinderdörfern und vergleichbaren Einrichtungen sind weiterhin stark ausgelastet.