Serbien versinkt im Chaos: Nach einem tödlichen Bahnhofseinsturz mit 14 Opfern eskalieren die Proteste gegen Präsident Vucic in die dritte Nacht – mit brennenden Containern und Gewalt.
In Serbien dauern die gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vucic bereits die dritte Nacht in Folge an. Das Balkanland befindet sich seit mehr als neun Monaten in einem Zustand permanenter Unruhe, geprägt von wiederkehrenden Massendemonstrationen. Besonders die jüngsten nächtlichen Proteste erreichten eine neue Intensität.
Den Ausgangspunkt der aktuellen Protestwelle bildete ein tragisches Unglück am 1. November 2024 in Novi Sad, als ein frisch renoviertes Bahnhofsvordach einstürzte und 14 Menschen das Leben kostete, darunter ein Kind. Die Behörden schlossen zunächst einen weiteren Anstieg der Opferzahl nicht aus, während die Bergungsarbeiten noch andauerten. Unabhängige Fachleute sowie Oppositionsvertreter sehen die Ursache in mangelhafter Bauausführung und Korruptionsstrukturen unter der Vucic-Administration. Die Demonstrationen gegen den 55-jährigen Staatspräsidenten halten bereits seit über neun Monaten nahezu täglich an, wobei die Protestierenden konsequent seinen Rücktritt und Neuwahlen fordern.
Nach dem Unglück rief die Regierung für den 2. November 2024 Staatstrauer in ganz Serbien aus. Die Staatsanwaltschaft leitete umgehend Ermittlungen gegen Verantwortliche aus Ministerien und dem staatlichen Bahnunternehmen ein. Besonders brisant: Das eingestürzte Vordach war laut offiziellen Angaben nicht Teil der jüngsten Renovierungsarbeiten, dennoch wurden massive Korruptionsvorwürfe laut.
⇢ Gefesselt und geknebelt: Serbiens Regime greift brutal durch
#BREAKING #Serbia JUST IN: Another round of intense protests is taking place across Serbia.
Initial incidents have been reported at the protests taking place in the capital, Belgrade.
The demonstrations have been ongoing for months, with protesters demanding snap elections. pic.twitter.com/qKAYFY6VbX
— The National Independent (@NationalIndNews) August 15, 2025
Eskalation der Gewalt
In Belgrad kam es zu direkten Konfrontationen, als Anhänger des Präsidenten die Regierungskritiker mit Feuerwerkskörpern attackierten. Mehrere Müllcontainer wurden in Brand gesetzt, was zur allgemeinen chaotischen Lage beitrug. In Novi Sad, der zweitgrößten Stadt des Landes, drangen Demonstranten in Büros der Regierungspartei SNS (Serbische Fortschrittspartei) ein, zerstörten Fensterscheiben und verwüsteten die Innenräume.
#BREAKING #Serbia JUST IN: Chaos continues at the protests in Serbia’s capital, Belgrade, as confrontations continue.https://t.co/D6J9h3PDzG pic.twitter.com/2FZMYlmxEo
— The National Independent (@NationalIndNews) August 15, 2025
⇢ Blutiger Protest: 16 Polizisten bei Belgrad-Krawallen verletzt
Die dritte aufeinanderfolgende Protestnacht in der Hauptstadt eskalierte, als Vucic-Unterstützer pyrotechnische Gegenstände auf Regierungsgegner abfeuerten. Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen setzte die Polizei Tränengas ein und nahm zahlreiche Personen fest. Nach Angaben von Innenminister Ivica Dacic (59) wurden sechs Polizeibeamte verletzt und 38 Demonstranten in Gewahrsam genommen.
#BREAKING #Serbia JUST IN: Protests are underway in Niš, Serbia, with the first confrontation between police and protesters reported.pic.twitter.com/PuTSwDdk0F
— The National Independent (@NationalIndNews) August 15, 2025
Wie bereits am Vortag versammelten sich Regierungskritiker in mehr als 30 Ortschaften vor den lokalen Parteizentralen der SNS, wo sie auf Polizeiabsperrungen und Anhänger der Regierungspartei trafen. Die Situation entwickelt sich zunehmend bedrohlich, da sich die serbische Gesellschaft immer tiefer zu spalten scheint und die Fronten zwischen den gegnerischen Lagern verhärten.
Vucics Reaktion
Bereits in der Nacht zuvor hatte es Dutzende Verletzte gegeben – sowohl durch Handgemenge zwischen den verfeindeten Demonstrantengruppen als auch durch Polizeieinsätze mit Schlagstöcken. Präsident Vucic hatte angekündigt, die Behörden würden die Straßen von Demonstranten „säubern“, die er als Verbrecher bezeichnete.
In einer Fernsehsendung kündigte Vucic weitere Festnahmen an. Gleichzeitig kritisierte er die Polizeikräfte für ihr zu zurückhaltendes Vorgehen gegen die Demonstranten in Novi Sad. Am Rande der Proteste wurde ein Mann von Sanitätern versorgt. Beobachter vermuten, dass eine harte Niederschlagung der Protestbewegung bevorstehen könnte.
Die jüngsten Unruhen wurden zusätzlich angeheizt, nachdem Anhänger der Regierungspartei SNS vor drei Tagen in nordserbischen Dörfern regierungskritische Demonstranten tätlich angegriffen hatten, ohne dass die Polizei einschritt.
Tennisstar Novak Djokovic sah sich in Serbien Kritik ausgesetzt, nachdem er seine Solidarität mit den Protestierenden bekundet hatte.