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Skandal

SOS-Kinderdorf-Gründer unter Verdacht: Acht Kinder missbraucht?

SOS-Kinderdorf-Gründer unter Verdacht: Acht Kinder missbraucht?
Symbolbild FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Der als Kinderfreund verehrte Hermann Gmeiner steht posthum unter schwerem Verdacht. Dem SOS-Kinderdorf-Gründer werden Missbrauchsfälle an acht minderjährigen Jungen vorgeworfen.

Gegen den Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, liegen gravierende Anschuldigungen vor. Er soll mindestens acht minderjährige Jungen missbraucht haben. Die mutmaßlichen Übergriffe ereigneten sich zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren an vier verschiedenen Standorten in Österreich. Diese Vorwürfe wurden im Rahmen von Opferschutzverfahren der Organisation zwischen 2013 und 2023 bekannt.

SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Annemarie Schlack erklärte gegenüber der APA: „Die Betroffenen haben die Geschehnisse im Rahmen des Opferschutzverfahrens plausibel dargelegt; die Entscheidungen zu Entschädigung erfolgen auf Basis einer Plausibilitätsprüfung, es handelt sich um keine forensische Untersuchung.“ Die Organisation schließt nicht aus, dass es weitere Opfer des als Kinderfreund bekannten Gmeiners geben könnte. Bislang sind keine Übergriffe auf Mädchen bekannt geworden.

Alle acht Betroffenen erhielten Entschädigungszahlungen von bis zu 25.000 Euro sowie finanzierte Therapiestunden. Zu Lebzeiten galt Gmeiner als juristisch unbescholten. Das Opferschutzverfahren selbst stellt kein juristisches Instrument dar, sondern dient der Anerkennung und Unterstützung.

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Gmeiners Vermächtnis

Schwerwiegende Missbrauchsvorwürfe belasten das Andenken des 1986 verstorbenen SOS-Kinderdorf-Gründers Hermann Gmeiner. Die Organisation teilte der APA mit, dass der Gründer verdächtigt wird, an mindestens acht minderjährigen Jungen „sexuelle Gewalt und Misshandlungen“ verübt zu haben. Als Konsequenz plant SOS-Kinderdorf eine vollständige Neuausrichtung und eine gründliche Aufarbeitung der Vergangenheit.

Der am 23. Jänner 1919 in Vorarlberg geborene Gmeiner wurde bislang als „Pionier der Menschlichkeit“ verehrt. Mit knapp 30 Jahren gründete er 1949 den Verein Societas Socialis (SOS), der später in SOS-Kinderdorf umbenannt wurde. Heute ist die Organisation in etwa 135 Ländern tätig.

Der SOS-Kinderdorf-Gründer wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Laut der Webseite der Organisation erhielt er 146 Auszeichnungen und pflegte Kontakte zu internationalen Persönlichkeiten wie dem Dalai Lama und Mutter Teresa. In Österreich tragen viele Schulen, Straßen und Parks seinen Namen, darunter auch ein Park in Wien-Innere Stadt.

In diesem Bezirk befindet sich zudem ein Denkmal für Hermann Gmeiner. Die Österreichische Post würdigte ihn 1994 mit einer Sonderbriefmarke.

Umfassender Neustart

Als Reaktion auf die Missbrauchs- und Gewaltvorwürfe plant die Organisation eine umfassende Neustrukturierung. Geschäftsführerin Schlack betonte im Gespräch mit der APA: „Es soll kein kleines Update, sondern ein umfassender Neustart der Organisation erfolgen.“ Sie fügte hinzu: „Schon 2026 wird SOS-Kinderdorf anders aussehen als heute.“

Eine Reformkommission unter dem Vorsitz von Irmgard Griss untersucht die Vorfälle und Strukturen von SOS-Kinderdorf und unterstützt die Organisation „in der vollständigen Aufarbeitung – egal, wie lange eine Gewalterfahrung zurückliegt und unabhängig davon, ob es sich um Täter und Täterinnen in führenden Positionen gehandelt hat.“ Am Ende des Prozesses wird ein Abschlussbericht veröffentlicht. Seit Donnerstag ist die Webseite der Reformkommission mit einer Online-Kontaktmöglichkeit eingerichtet.

Aktuell liegt bei SOS-Kinderdorf kein neuer Missbrauchsverdacht vor. Allerdings gibt es derzeit 67 Meldungen, die über verschiedene Kontaktstellen an die Organisation herangetragen wurden. Da diese Meldungen ein breites Spektrum umfassen, muss daraus nicht zwangsläufig ein neuer Fall entstehen.

Die Geschäftsführerin appellierte dennoch an möglicherweise betroffene Personen, sich an die Meldestelle opferschutz@sos-kinderdorf.at zu wenden – auch im Fall Gmeiner.

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KO KOSMO-Redaktion
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