Carlos Alcaraz sank überwältigt zu Boden und kostete seinen Triumph in der tosenden Rod Laver Arena voll aus. Der Weltranglistenerste hat seinen ersten Titel bei den Australian Open erobert und damit seiner beeindruckenden Karriere im zarten Alter von 22 Jahren das letzte fehlende Stück hinzugefügt. Alcaraz hatte den Triumph in Melbourne als sein Hauptziel für diese Saison ausgegeben. „Jeder Schritt mehr, jede Sekunde mehr Leiden, jede Sekunde mehr Kämpfen“, sagte er, „ist es immer wert“.
Im denkwürdigen Endspiel von Melbourne bezwang er den serbischen Rekordchampion Novak Djokovic mit 2:6, 6:2, 6:3, 7:5 und vollendete als jüngster Spieler der Geschichte seinen Karriere-Grand-Slam. Alcaraz nutzte nach einem packenden Match und 3:02 Stunden seinen ersten Matchball und bejubelte den fünften Erfolg im zehnten Aufeinandertreffen mit Djokovic. Da der 38-Jährige nach seinem kräftezehrenden Halbfinale am Freitag nicht in Bestform antreten konnte, musste Djokovic im elften Anlauf seine erste Finalniederlage bei den Australian Open hinnehmen.
Djokovic verpasste es dadurch, ein weiteres bedeutendes Kapitel Tennisgeschichte zu schreiben. Auf seinen 25. Grand-Slam-Titel muss er weiter warten und teilt sich den Rekord nach wie vor mit der Australierin Margaret Court. Unter den wachsamen Augen von Margaret Court, die spätestens seit Djokovics Kraftakt gegen Jannik Sinner um ihre geteilte Bestmarke fürchten musste, hatten die beiden Kontrahenten die Arena betreten.
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Historischer Meilenstein
Alcaraz, der nun sieben Major-Titel auf seinem Konto hat, löste den bisherigen Rekordhalter Don Budge (USA) ab. In der Open Era (seit 1968) hatte Alcaraz‘ Landsmann Rafael Nadal die Bestmarke gehalten. Dieser verfolgte das Duell von der Tribüne aus. Den besseren Auftakt erwischte jedoch sein Gegner. Djokovic zog das Publikum auf seine Seite, bei jedem Punktgewinn des Serben brandete Jubel auf. Djokovic, der während des Turniers insgesamt mehr als vier Stunden weniger auf dem Court verbracht hatte, biss sich in Alcaraz‘ zweites Aufschlagspiel hinein und sicherte sich ein frühes Break.
Der Serbe agierte wie in seinen Glanzzeiten. Alcaraz hingegen, der in seinem fast fünfeinhalb Stunden dauernden Halbfinale gegen Alexander Zverev aus Hamburg von Krämpfen geplagt wurde, wirkte angespannt.
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Seine gefürchtete Vorhand konnte er nicht gewinnbringend einsetzen. „Djokovic hat einen genauen Plan, wie er spielen will. Alcaraz noch gar nicht“, analysierte Djokovics Ex-Coach Boris Becker bei Eurosport. Neun vermeidbare Fehler des Spaniers waren zu viel. Djokovic entschied den ersten Satz in nur 33 Minuten für sich, was selbst seinen einstigen Rivalen Nadal auf der Tribüne ins Staunen versetzte.
Dramatische Wende
Nadals Landsmann fand jedoch zurück ins Spiel. Bei kühlen 19 Grad hatte er die Nervosität aus den Beinen geschüttelt. Der zweite Durchgang verlief ähnlich einseitig wie der erste – allerdings mit vertauschten Rollen. Alcaraz, der mit Wind oft besser umgehen kann als seine Kontrahenten, gefiel allerdings nicht, dass das Dach der Arena fast vollständig geschlossen war, obwohl es nicht regnete. Er reklamierte beim Schiedsrichter, verlor dabei aber nicht seine Konzentration.
Djokovic wirkte im dritten Satz plötzlich erschöpft. Alcaraz war nun der aktivere Akteur und nach genau zwei gespielten Stunden nur noch einen Satz von seinem großen Ziel entfernt. Die anfeuernden „Nole, Nole“-Rufe aus dem Publikum konnten daran nichts ändern. Zu Beginn des vierten Satzes wehrte Djokovic sechs Breakbälle in einem Aufschlagspiel ab und reckte die Faust. Er brachte die Arena noch einmal hinter sich, doch der nervenstarke Alcaraz ließ sich in einer umkämpften Schlussphase nicht mehr stoppen.