Privatjet, Bentley und Bargeld in Säcken – zwei Brüder stehen in Wien vor Gericht. Der Fall hat es in sich.
Der Fall, der sich in Wien zugetragen hat, bietet tatsächlich Stoff für eine mehrteilige Krimiserie: Es geht um Luxusfahrzeuge, Immobiliengeschäfte und fingierte Deals mit Bargeld in Säcken. Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder. Der eine ist ein geschäftstüchtiger junger Mann aus Wien, der sich jahrelang im maßgeschneiderten Anzug und mit einer goldenen Rolex am Handgelenk als florierender Unternehmer inszeniert haben soll – obwohl er zuvor mit einem Kebab-Stand in die Insolvenz geschlittert war. Der andere ist 43 Jahre alt, Kampfsportler mit Vorstrafen – zuletzt reiste er per Privatjet zwischen Dubai und Wien.
Bentley im Mittelpunkt
Ein Bentley-Verkauf vor rund drei Jahren gilt laut aktueller Anklage als Höhepunkt der mutmaßlichen Dreistigkeit: Der jüngere Bruder soll einen auf seine Mutter zugelassenen Bentley trotz laufenden Insolvenzverfahrens gemeinsam mit einer Harley-Davidson und einem Porsche Cayenne II Turbo S an einen Wiener Geschäftsmann veräußert und dafür etwa 140.000 Euro in bar eingestrichen haben. Von diesem Geld fehlt bis heute jede Spur. Besonders brisant: Im Handschuhfach des Bentayga W12 stieß der Käufer auf gefälschte Ausweise des Vorbesitzers – seine Anzeige löste die kriminalpolizeilichen Ermittlungen aus. Für die Geschädigten kommt erschwerend hinzu, dass wesentliche Teile des Vermögens, darunter Rolex-Uhren und Goldschmuck, bereits verpfändet sind.
Über ein verschachteltes Firmenkonstrukt soll das Brüderpaar, das während der Corona-Pandemie durch umstrittene Maskengeschäfte zu Geld gekommen sein soll, wohlhabende neue Bekannte mit dubiosen Sonnenblumenöl-Importen, fragwürdigen Krypto-Transaktionen und zweifelhaften Fahrzeugdeals um Hunderttausende Euro gebracht haben – was beide bestreiten. Dem 35-Jährigen, dem für die gröberen Angelegenheiten zuständigen 43-jährigen Bruder sowie deren Fahrer (32) wird vorgeworfen, in Wien, Dubai und andernorts Investoren durch großspuriges Auftreten angelockt und durch mutmaßliche Täuschungsmanöver in falscher Sicherheit gewiegt zu haben.
Prozesspanne in Wien
Obwohl der Betrugsprozess am Wiener Landesgericht bereits im Sommer begonnen hatte, ließ sich der aus Dubai angereiste Bruder nach nur einem einzigen Verhandlungstag durch ein privatärztliches Attest entschuldigen. Wie die Zeitung Heute berichtet, wurde der angeblich erkrankte Ex-Kampfsportler kurz darauf scheinbar bester Gesundheit beim Kaffeetrinken in einem Lokal in Wien-Innere Stadt gesichtet. Für Beteiligte ist es schwer nachvollziehbar, dass beide Brüder nach wie vor auf freiem Fuß sind und offenbar ihren gewohnten Lebensstil beibehalten.
Haftbefehle wurden bislang nicht erlassen. Am 24. März findet am Wiener Landesgericht die nächste Verhandlungsrunde statt.
Eine Freiheitsstrafe steht im Raum, die Unschuldsvermutung gilt.