Ein 18-Jähriger kämpft um sein Leben – zurückgelassen von einer Gruppe, die Gewalt als Mutprobe verstand.
Was sich im Vogelweidpark in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus abspielte, ist kaum in Worte zu fassen: Ein 18-Jähriger liegt blutend am Boden, fleht seine Angreifer an aufzuhören – vergeblich. Einer versetzt ihm einen Ellbogenstoß ins Gesicht, ein anderer würgt ihn so lange, bis er das Bewusstsein verliert. Die Richterin beschrieb den Zustand des Opfers in der Verhandlung ohne Umschweife: Nahezu jeder Knochen im Gesicht des jungen Mannes sei gebrochen gewesen.
Was die Tat noch schwerer wiegt: Die Täter ließen den Schwerverletzten einfach zurück. Nur weil ein Passant den Notruf wählte und die Rettung verständigte, überlebte der 18-Jährige.
Prozess in Wien
Am Mittwoch standen mehrere Mitglieder einer neunköpfigen Jugendgruppe vor dem Wiener Landesgericht. Die Angeklagten sind zwischen 14 und 18 Jahre alt; gegen einen 15-Jährigen wurde sogar wegen Mordverdachts ermittelt. Ausgelöst wurde die Attacke durch eine Beleidigung.
„Ich habe einfach zugeschlagen“, räumte ein 16-Jähriger vor Gericht ein. Andere filmten die rund vierminütige Gewalttat und beteiligten sich ebenfalls daran. Die Frage nach dem Warum beantworteten die Jugendlichen erschreckend offen: Man habe sich gegenüber der Gruppe beweisen wollen.
Weitere Angriffe
Dabei blieb es nicht bei diesem einen Vorfall. Laut Anklage soll die Gruppe weitere Personen angegriffen haben – unter anderem Obdachlose im Bereich des Westbahnhofs in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Darüber hinaus sollen sich einzelne Mitglieder über einen Gruppenchat zu sogenannten „Pädo-Jagden“ verabredet haben. Die Staatsanwältin stellte klar, dass keines der dabei ins Visier genommenen Opfer tatsächlich pädophil gewesen sei.
Die verhängten Strafen fielen vergleichsweise gering aus: Mehrere Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen acht und 18 Monaten verurteilt, ein Teil davon bedingt. In Untersuchungshaft muss vorerst niemand bleiben – die bereits verbüßte U-Haft wurde auf die Strafe angerechnet.
Für weitere Beschuldigte wird der Prozess Anfang April fortgesetzt.