Die Steiermark sichert sich früh einen Platz an der Seite eines aufstrebenden EU-Kandidaten – mit Abkommen, Ambitionen und handfesten Wirtschaftsinteressen.
Eine steirische Delegation aus Wirtschaft, Forschung und Tourismus ist derzeit in Montenegro unterwegs, um Kooperationen anzubahnen – und sich damit frühzeitig für den Fall zu positionieren, dass das Westbalkanland bereits 2028 der Europäischen Union beitritt.
Angeführt wird die rund 25-köpfige Gruppe von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP). Montenegro gilt als einer der am weitesten fortgeschrittenen EU-Beitrittskandidaten und hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Unter dem Schlagwort „28 by 28″ soll das Land bis 2028 als 28. Mitgliedstaat in die Union aufgenommen werden. Im EU-Beitrittsprozess sind alle 35 Verhandlungskapitel eröffnet, einige davon bereits vorläufig abgeschlossen. Erst vor zwei Wochen fand zu diesem Zweck ein hochrangiger Gipfel statt – laut Österreichs Botschafter Christian Steiner, der die steirische Delegation am Flughafen der Hauptstadt Podgorica empfing, „das größte diplomatische Ereignis seit der Unabhängigkeit“.
Partnerschaft besiegelt
Den formellen Rahmen für die vertiefte Zusammenarbeit schafft ein Partnerschaftsabkommen zwischen der Steiermark und Montenegro, das Khom gemeinsam mit Vizepremier Nik Djelosaj am Mittwoch unterzeichnete. „Die Politik hat die Tür geöffnet“, erklärte Khom – die Wirtschaft sei nun gefordert, dem Abkommen inhaltliche Substanz zu verleihen. Einen EU-Beitritt Montenegros im Jahr 2028 hält sie für realistisch. Für die Steiermark würde sich daraus eine „Win-win-Situation“ ergeben, deren Grundlage gerade gelegt werde.
Die Steiermark agiert dabei nicht ohne Konkurrenz: Auch andere österreichische Bundesländer buhlen um Investitionsmöglichkeiten in dem 600.000-Einwohner-Staat, dessen Wirtschaft zu einem erheblichen Teil vom Tourismus getragen wird, in anderen Bereichen jedoch noch Entwicklungspotenzial aufweist.
Steirisches Know-how
Besonders gefragt ist steirisches Know-how im Bereich erneuerbare Energien, wie Khom betont. Unternehmen wie Saubermacher sind in Montenegro bereits aktiv, weitere wollen folgen. Darüber hinaus wird der Hafen Kotor als möglicher Partnerhafen für das Cargo Center Werndorf in Betracht gezogen – eine Option, die an Bedeutung gewinnt, weil die bestehenden Verbindungen in das slowenische Koper zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.
Vertreten sind auf der Reise unter anderem Touristiker aus Bad Gleichenberg, eine Abordnung der FH Joanneum sowie das Talentcenter der Wirtschaftskammer. Ergänzt wird die Gruppe durch Institutionen wie das Internationalisierungscenter Steiermark, Green Tech Valley und den Holzcluster.
Die Reise nach Montenegro wurde vom Land Steiermark ermöglicht.