Geburt oder WM – zwei Profis, zwei Entscheidungen, und eine Debatte, die weit über den Fußball hinausgeht.
Zwei Spieler, zwei Entscheidungen, eine Frage: Wie viel darf der Fußball kosten, wenn das Leben zu Hause weitergeht?
Leo Skiri Ostigaard hat sie auf seine Weise beantwortet. Der norwegische Innenverteidiger wurde am Freitag Vater – nicht im Kreißsaal, sondern per Facetime, irgendwo in den USA, wo Norwegen sich auf das WM-Gruppenspiel gegen Senegal vorbereitet. Ein Bildschirm statt einer Hand zu halten.
Der 26-Jährige nahm es mit Fassung, mehr noch: mit sichtbarer Ehrfurcht. „Was Frauen leisten, ist fantastisch. Ich habe großen Respekt“, sagte der Abwehrspieler, dem die Worte anzumerken war, dass sie nicht aus der Pflicht kamen. Die Entscheidung, trotz der bevorstehenden Geburt bei der Mannschaft zu bleiben, war keine spontane – sie war abgesprochen, gemeinsam getragen.
„Natürlich hätte ich dort sein sollen. Aber Aurora und ich haben viel darüber gesprochen. Sie hat Verständnis dafür, dass ich bei der WM für Norwegen spielen möchte“, erklärte Ostigaard, der beim 4:1-Auftaktsieg gegen den Irak kurz nach seiner Einwechslung per Kopf getroffen hatte.
Dokus anderer Weg
Ganz anders positioniert sich sein Berufskollege Jeremy Doku. Der belgische Nationalspieler hat angekündigt, für die Geburt seines Kindes auch mitten im Turnier nach Hause zu reisen. Seine Frau erwartet das gemeinsame Kind in der zweiten Juliwoche – genau dann, wenn die K.o.-Runde läuft.
Diese Ankündigung blieb nicht ohne Reaktion: Doku sah sich zuletzt mit Kritik konfrontiert. Ostigaard und Doku stehen stellvertretend für eine Abwägung, die im Profisport selten öffentlich verhandelt wird.
Beide Männer, beide werdende Väter, beide mitten in einem Weltturnier – und doch zwei grundverschiedene Antworten auf dieselbe Frage. Während Ostigaard den Weg der stillen Absprache wählte und seiner Partnerin die Entscheidungshoheit überließ, geht Doku einen anderen Weg, der ihm Gegenwind eingebracht hat.