Ein Freibad in Halle sorgt mit einer ungewöhnlichen Zutrittsregel für Schlagzeilen – und spaltet die Gemüter.
In Halle (Saale) hat Mathias Nobel (46), Pächter des Heidebads, eine ungewöhnliche Regelung eingeführt: Wer das Freibad betreten möchte, muss der deutschen Sprache mächtig sein. Hintergrund der Maßnahme sind wiederholte Situationen, in denen Badegäste ohne Deutschkenntnisse weder die geltenden Baderegeln noch Lautsprecherdurchsagen beachteten – mit potenziell gefährlichen Folgen. Das Gewässer, ein ehemaliges Tagebau-Restloch, ist bis zu 13 Meter tief und weist nahezu senkrechte Uferkanten auf – eine Kombination, die es besonders riskant macht.
Rettung aus dem Wasser
Wie ernst die Lage sein kann, zeigte ein Vorfall am vergangenen Sonntagabend: Ein Kind befand sich ohne Schwimmhilfe in einem tiefen Bereich des Sees, während die Eltern nicht eingriffen. Nobel rettete das Kind eigenhändig – doch als er die Eltern ansprechen wollte, scheiterte jede Verständigung an der Sprachbarriere. Für Nobel ist dieser Vorfall ein eindeutiges Signal: „Wenn man die Haus- und Badeordnung nicht lesen kann und nicht versteht, kann ich Gäste, die nicht Deutsch sprechen, aus Sicherheitsgründen nicht mehr hereinlassen.“
Badegast Larissa Merbach (34) steht hinter dieser Entscheidung. Am Eingang des Freibades zeigt sie die Schwimmhilfe ihrer Tochter und erklärte gegenüber der „Bild“: „Es ist richtig, dass das Freibad darauf pocht, dass die Gäste die Regeln auch verstehen.“ Nobel berichtet, dass andere Hallenser Freibäder in vergleichbaren Fällen schlicht Hausverbot erteilen – er hingegen versuche, Probleme bereits im Vorfeld zu lösen. Dennoch sieht er sich mit einer Flut an Hassnachrichten konfrontiert und wird als Rassist bezeichnet, obwohl er betont, überaus ausländerfreundlich zu sein.
Rückhalt vom DLRG
DLRG-Rettungsschwimmer Lars Deckert (54) stützt Nobels Position: Bei einem Besucheraufkommen von bis zu 2000 Personen sei eine individuelle Beaufsichtigung von Kleinkindern schlichtweg nicht leistbar. Auch deutschsprachige Gäste werden abgewiesen, wenn sie keine Schwimmhilfen für ihre Kinder mitbringen. Die Sprachbarriere verschärfe die Situation jedoch zusätzlich, da deutschsprachige Besucher Erklärungen in der Regel nachvollziehen und befolgen könnten. Die Eintrittspreise sind gestaffelt: Kinder bis vier Jahre haben freien Eintritt, Fünf- bis 14-Jährige zahlen fünf Euro, Schüler und Studenten sechs Euro, Erwachsene sieben Euro.
Als das Reporterteam der „Bild“ am Montag vor Ort war, wollte eine Frau ohne Deutschkenntnisse lediglich die Toilettenanlage des Freibades aufsuchen – Nobel ließ sie kostenlos passieren.
Er ergänzt: „Im Zweifel verständigen wir uns mit Händen und Füßen.“