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Wasserkatastrophe

Tödliche Falle im Marchfeldkanal: Warum die Männer nach neuen Erkenntnissen nicht entkommen konnten

Tödliche Falle im Marchfeldkanal: Warum die Männer nach neuen Erkenntnissen nicht entkommen konnten
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Ein scheinbar ruhiger Kanal, ein Ausflug zu dritt – und eine Wehranlage, die keine Chance ließ. Das Marchfeld trauert.

Drei junge Männer kamen in einem Kanal ums Leben, der auf den ersten Blick keine besondere Gefahr vermuten lässt – einem Gewässernetz, das das Marchfeld über eine Länge von rund 100 Kilometern mit Wasser versorgt. Wie es zu dieser Tragödie kommen konnte, erläuterte Franz Steiner, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft des Marchfeldkanals, gegenüber dem KURIER. Als entscheidender Gefahrenpunkt gelten die Wehranlagen des Kanals – und nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei war es genau eine solche Anlage, die den drei Männern zum Verhängnis wurde.

Das Trio dürfte versucht haben, mit Stand-Up-Paddles die Wehr bei Gerasdorf im Bezirk Korneuburg zu durchfahren. Für Steiner ist das ein „tödliches Risiko“. An der betreffenden Wehranlage werde das Wasser aufgestaut – und trotz des trügerisch ruhigen Erscheinungsbildes bestehe dort akute Lebensgefahr. „Man hat dort einen Überfall von einem Meter. Es fließen 5.000 Liter Wasser pro Sekunde durch. Dieser Wasserwalze entkommt man nicht.“

Suchaktion in Gerasdorf

Die drei jungen Männer aus Wien wurden am Donnerstag leblos aus dem Marchfeldkanal im Bereich von Gerasdorf geborgen. Ihren Ausflug mit Stand-Up-Paddles hatten sie bereits am Montag angetreten. Als die Mutter eines der Männer – eines 27-Jährigen – nichts mehr von ihm hörte, erstattete sie bei der Polizei in Wien eine Abgängigkeitsmeldung. Sie gab dabei an, dass ihr Sohn gemeinsam mit anderen eine Tour auf dem Marchfeldkanal geplant hatte.

Im Zuge einer Suchaktion wurden am Mittwoch im Bereich der Wehranlage in Gerasdorf die Stand-Up-Paddles sowie persönliche Gegenstände der Männer aufgefunden. An der Suche waren Diensthunde, eine Drohne, die Wasserpolizei sowie die Feuerwehr beteiligt. Nach knapp fünf Stunden wurde der Einsatz zunächst unterbrochen und in den frühen Morgenstunden des Donnerstags wieder aufgenommen.

Von einem Hubschrauber aus entdeckten die Einsatzkräfte schließlich zwei Leichen im Marchfeldkanal im Bereich der Seyringer Straße in Gerasdorf – die dritte wurde kurz darauf in unmittelbarer Nähe gefunden.

Warnung vor Wehranlagen

Nach dem tödlichen Unglück wies die Betriebsgesellschaft des Marchfeldkanals auf ihrer Homepage ausdrücklich auf die Gefahren hin, die bei der Durchfahrt von Wehranlagen bestehen. Die Wassermassen ziehen demnach nicht nur Schwimmer in die Tiefe – auch Boote, Kanus und Kajaks können durch starke Unterströmungen, Walzenbildungen und unvorhersehbare Wasserbewegungen erfasst, beschädigt oder zum Kentern gebracht werden.

Die Durchfahrt durch Wehranlagen im Marchfeldkanalsystem ist grundsätzlich verboten. Die Betriebsgesellschaft weist darauf hin, dass bei der Durchfahrt aufgrund der beschriebenen Gefahren Lebensgefahr besteht. Die Befahrung des Marchfeldkanal-Gewässersystems mit Booten ohne Motor ist aus Naturschutzgründen zudem nur in der Zeit von Juni bis Dezember erlaubt – von Jänner bis Mai gilt aufgrund der Brutzeit ein absolutes Fahrverbot.

Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei um einen 27-jährigen Österreicher sowie einen 28-jährigen afghanischen Staatsbürger. Die Identität der dritten Person war zum Zeitpunkt der Meldung noch ungeklärt, wie Polizeisprecher Stefan Loidl am Donnerstagnachmittag mitteilte.

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KO KOSMO-Redaktion
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