Milliarden, Machtspiele und ein drohender Boykott: Das ambitionierteste Finanzprojekt der FIFA-Geschichte wackelt gewaltig.
Infantinos ambitioniertes Investorenprojekt steht vor dem Aus. Erst am Dienstag hatte die FIFA öffentlich gemacht, über die geplante Tochtergesellschaft FFE mehr als vier Milliarden Dollar von externen Geldgebern einsammeln zu wollen. Künftige Weltmeisterschaften sollen unter dem Dach dieser neu gegründeten Gesellschaft ausgerichtet werden, an der der Weltverband die Mehrheit halten würde. Als Druckmittel setzte die FIFA den Mitgliedsverbänden den 19. September 2026 als Frist für ihre Zustimmung und stellte im Gegenzug eine Sonderzahlung in Aussicht.
Wachsender Widerstand
Doch der Gegenwind wird stärker. Nach UEFA und CONCACAF hat nun auch der asiatische Kontinentalverband AFC seine Ablehnung formell erklärt. „Der Fußball hätte niemals in eine solche Lage gebracht werden dürfen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des AFC. „Die Tatsache, dass die Situation einen Punkt erreicht hat, an dem die reale Möglichkeit eines Boykotts der FIFA-Weltmeisterschaft in die öffentliche Debatte eingezogen ist, sollte jeden beunruhigen, dem die Zukunft unseres Sports am Herzen liegt.“
Rechnet man die Stimmen zusammen, ergibt sich ein klares Bild: Der AFC bringt 46 Stimmen mit, die UEFA 55, CONCACAF 35 – bei insgesamt 211 Mitgliedsverbänden. Rein numerisch wäre damit keine Mehrheit für das Vorhaben zu sichern. Allerdings greift diese Rechnung nur bedingt, denn die Konföderationen stimmen nicht geschlossen als Block ab. Jeder nationale Verband entscheidet für sich – und könnte damit theoretisch auch gegen die offizielle Haltung seines Kontinentalverbandes votieren.
FIFAs Gegenkurs
Ungeachtet der wachsenden Ablehnung hält die FIFA an ihrem Kurs fest. In einer Pressemitteilung vom Freitagmorgen wies der Weltverband die Kritik zurück und machte „falsche Medienberichte“ für die Störung des Beratungsprozesses verantwortlich. „Niemand verkauft den Fußball. Das ist nicht, worüber die FIFA jemals nachdenken würde. Wir werden diesen Konsultationsprozess fortsetzen, um sicherzustellen, dass jeder Mitgliedsverband die Möglichkeit hat, seine Stimme auf der Grundlage von Fakten abzugeben. Aber keine einzelne Instanz kann für sich beanspruchen, alle 211 Mitgliedsverbände weltweit zu vertreten“, hieß es. „Jedem Mitgliedsverband sollte es gestattet sein, den Vorschlag zu prüfen und bei der Gestaltung seiner eigenen Zukunft mitzureden.“
Gleichzeitig deutet die FIFA in derselben Mitteilung einen möglichen Rückzieher an: Sollten die 211 Mitgliedsverbände das Vorhaben nicht mittragen, würden „die kommerziellen Aktivitäten der FIFA unverändert bleiben“. Die FFE käme dann nicht zustande. Der Weltverband betonte, die Gesellschaft sei ausschließlich vorgeschlagen worden, „um sicherzustellen, dass alle FIFA-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll zu nutzen, und dass dies weder auf Kosten des Geistes noch der Führung der FIFA oder des Fußballs selbst geht.“