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Ceuta-Krise

72 Tote, 60.000 Migranten – Marokko weist Schuld von sich

72 Tote, 60.000 Migranten – Marokko weist Schuld von sich
FOTO: EPA/JALAL
3 Min. Lesezeit |

Zehntausende Migranten, Dutzende Tote, eine Grenze, die plötzlich offen war – Marokko bricht nun sein Schweigen.

In ihrer ersten offiziellen Stellungnahme nach dem massenhaften Grenzandrang auf die spanische Exklave Ceuta hat die marokkanische Regierung den Vorfall unter anderem auf Falschinformationen im Internet zurückgeführt. Der Ansturm sei nicht koordiniert, sondern spontan entstanden, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums in Rabat. Darüber hinaus verwies er auf die Aktivitäten von Schleppernetzwerken sowie auf eine Fehlinterpretation eines spanischen Gerichtsurteils.

Die spanische Regierung geht nach eigenen Angaben davon aus, dass innerhalb kurzer Zeit zwischen 50.000 und 60.000 Migranten von Marokko aus in die abgeriegelte Exklave gelangt und anschließend wieder zurückgekehrt sind. Die marokkanische Seite bezifferte die Zahl der Todesopfer auf elf. Spanische Behörden sprachen zuletzt von mindestens 72 Menschen, die beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen seien – viele davon ertranken, als sie versuchten, die Küste schwimmend zu erreichen. Mehr als 1.000 Menschen wurden im Zusammenhang mit dem Massenandrang medizinisch versorgt.

Marokkos Rolle

Angesichts des Ausmaßes der Krise in der an Marokko grenzenden Exklave wurden Spekulationen laut, wonach die marokkanische Regierung den Massenandrang bewusst ausgelöst oder zumindest stillschweigend geduldet haben könnte, um Druck auf Spanien auszuüben. Mehrere Migranten schilderten spanischen Medien zufolge unabhängig voneinander, dass sie an der Grenze nicht aufgehalten, sondern zum Übertritt regelrecht ermuntert worden seien. Viele weitere berichteten, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam gemacht worden.

Der Sprecher des marokkanischen Innenministeriums betonte am Sonntag, Rabat arbeite eng mit den spanischen Behörden zusammen und bleibe ein verlässlicher Partner bei der Bekämpfung irregulärer Migration. Das Ministerium geht nach eigenen Angaben davon aus, dass rund 40.000 Migranten Ceuta zu erreichen versucht haben. Weitere gut 1.100 sollen sich auf den Weg nach Melilla gemacht haben – der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika, die wie Ceuta landseitig von Marokko und seeseitig vom Mittelmeer umschlossen wird.

Spaniens Mitverantwortung

Wie es zu dem Ansturm auf die Stadt mit rund 84.000 Einwohnern kommen konnte, ist bislang nicht abschließend geklärt. Neben einer möglichen Mitverantwortung der marokkanischen Behörden wurde auch diskutiert, ob die spanische Migrationspolitik falsche Signale gesetzt haben könnte – insbesondere die Legalisierung des Aufenthaltsstatus bereits im Land lebender irregulärer Migranten. Diese Regelung gilt zwar nicht für Neuankömmlinge, soll aber bei Migranten Hoffnungen geweckt haben, die sich als trügerisch erwiesen.

Einem spanischen Gerichtsurteil wird in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Rolle zugeschrieben. Es erschwert Zurückweisungen nach einer Einreise über den Seeweg – ein Umstand, auf den auch das Innenministerium in Rabat ausdrücklich hinwies.

In einem Punkt herrscht in Spanien allerdings bemerkenswert breiter Konsens: Der beispiellose Ansturm wäre nach Einschätzung nahezu aller Beobachter ohne zumindest zeitweiliges Wegschauen der marokkanischen Behörden kaum denkbar gewesen. Die normalerweise streng gesicherte Grenze gilt als so sensibel und kontrollierbar, dass Zehntausende Menschen sie nach Einschätzung der Zeitung „El País“ nicht ohne „Billigung oder Mitwirkung“ der Verantwortlichen in Rabat hätten überwinden können.

Die in zahlreichen Videos dokumentierte Untätigkeit marokkanischer Sicherheitskräfte lasse „keinen Zweifel“ daran.

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KO KOSMO-Redaktion
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