170 Millionen betroffene Kinder und Jugendliche – die WHO zieht jetzt klare Grenzen, was erlaubt ist und was nicht.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich klar gegen den Einsatz von Medikamenten und chirurgischen Eingriffen zur Behandlung von Fettleibigkeit bei Kindern unter zehn Jahren ausgesprochen.
Diese Position hat die WHO in der laufenden Woche bei einer Zusammenkunft in Genf festgelegt. Medikamente und operative Eingriffe sollen demnach erst dann in Betracht kommen, wenn Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren alt sind und zuvor angewandte Maßnahmen ohne Erfolg geblieben sind. Mittel wie Ozempic oder Mounjaro, die in letzter Zeit verstärkt zur Anwendung kommen, imitieren das körpereigene Hormon GLP-1 und wurden ursprünglich für die Behandlung von Diabetes konzipiert.
Neue WHO-Richtlinien
Die neuen WHO-Richtlinien sehen weder eine medikamentöse Therapie noch bariatrische Chirurgie für Kinder bis zum vollendeten neunten Lebensjahr vor. „Die WHO empfiehlt keine medikamentöse Behandlung, bariatrische Chirurgie oder Hilfsmittel zur Gewichtsabnahme für Kinder im Alter von null bis neun Jahren“, heißt es in den entsprechenden Hinweisen. Für Jugendliche ab zehn Jahren ist eine Behandlung in Ausnahmefällen möglich, sofern ein strukturierter Therapieansatz zuvor keine Wirkung gezeigt hat. Bariatrische Eingriffe werden dabei ausschließlich unter strengen Voraussetzungen und bei besonders ausgeprägter Adipositas erwogen.
Globale Betroffenheit
Den aktuellen Zahlen der WHO zufolge sind weltweit rund 70 Millionen Kinder zwischen fünf und neun Jahren von Fettleibigkeit betroffen. In der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen rechnet die Organisation mit rund 100 Millionen Betroffenen.
Bereits im vergangenen Jänner hatte die WHO den Einsatz von GLP-1-Präparaten bei adipösen Erwachsenen befürwortet – für jüngere Altersgruppen stellt sie diesen Ansatz nun jedoch infrage.