Eine tote Laborantin, ein zerbrochenes Reagenzglas – und ein Erreger, der die Welt in Alarmbereitschaft versetzt.
In einem Krankenhaus der sibirischen Stadt Schelechow bei Irkutsk ist eine 28-jährige Laborantin verstorben. Russische Behörden gaben als Todesursache eine Lungenentzündung unbekannter Herkunft an. Im Raum steht jedoch der Verdacht, dass die junge Frau sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas mit dem Pest-Erreger Yersinia pestis infiziert haben könnte.
Internationale Reaktionen
Der Vorfall hat umgehend internationale Reaktionen ausgelöst. Die WHO, die EU-Kommission und das US-Außenministerium fordern von Russland vollständige und nachvollziehbare Informationen zu dem Fall. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, man habe Russland um detaillierte Auskünfte zum Verlauf der Erkrankung, dem möglichen Erreger und Berichten über einen zweiten betroffenen Mitarbeiter gebeten. Gleichzeitig stellte die Organisation technische Unterstützung in Aussicht.
Die russische Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor gibt sich unterdessen beruhigend: Unter den rund 200 isolierten Kontaktpersonen seien keine Hinweise auf Pesterkrankungen festgestellt worden. Bereits 60 Prozent von ihnen wurden aus der Quarantäne entlassen. Dennoch kursieren in sozialen Netzwerken weiterhin Spekulationen über eine mögliche Epidemie.
Skepsis & Einschätzung
Das Vertrauen in offizielle russische Verlautbarungen ist international begrenzt – eine Skepsis, die nicht zuletzt durch Ereignisse wie die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl historisch begründet ist. US-Präsident Donald Trump schloss einen Zusammenhang mit einer Biowaffe dennoch aus: „Nun, das glauben wir nicht.“ Ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist seinen Angaben zufolge geplant.