Steiermarks Schulen kämpfen mit einem wachsenden Gewaltproblem und die aktuellen Zahlen zeigen, wie dramatisch sich die Lage verschärft hat.
In der Steiermark entwickelt sich die Gewalt an Schulen zu einem ernstzunehmenden gesellschaftlichen Problem – und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Suspendierungen haben sich innerhalb eines Schuljahres mehr als verdoppelt.
Im Schuljahr 2024/25 wurden insgesamt 99 Schüler vom Unterricht ausgeschlossen. Im darauffolgenden Schuljahr stieg diese Zahl auf 226 an. Besonders auffällig: Zwei Schüler wurden im selben Zeitraum gleich viermal suspendiert, 29 weitere sahen sich zweimal einem Schulverweis gegenüber.
Hintergründe & Reaktionen
Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) nannte als häufigsten Suspendierungsgrund die „Gefährdung der körperlichen Sicherheit von Mitschülern bzw. anderen an der Schule tätigen Personen“. Seit dem 1. September 2026 gilt eine Novelle des Schulunterrichtsgesetzes, die für künftige Fälle einen klareren rechtlichen Rahmen schaffen soll. Die Novelle begrenzt die Dauer einer Suspendierung auf maximal vier Wochen – bei weiterbestehender Gefährdung kann sie einmalig um bis zu zwei Wochen verlängert werden. Zudem müssen suspendierte Schüler seither verpflichtend an einer Suspendierungsbegleitung teilnehmen, die aus pädagogischer Förderung sowie psychosozialen Maßnahmen besteht und zwischen acht und 20 Stunden pro Woche umfasst. Von den 226 suspendierten Schülern besuchten 79 eine Volksschule, 115 eine Mittelschule.
Die Grünen sehen in der bloßen Erfassung von Fallzahlen keine ausreichende Reaktion auf die Entwicklung. Bildungssprecherin Veronika Nitsche fordert mehr Transparenz hinsichtlich der konkreten Hintergründe. Aus Lehrerkreisen im Großraum Graz werden derweil physische Übergriffe auf Lehrpersonal gemeldet. Eine Pädagogin aus Graz brachte die Stimmung auf den Punkt: Die Zustände seien „nicht hinnehmbar“.
Maßnahmen & Grenzen
Hermann verweist auf Schulsozialarbeit sowie Gewalt- und Radikalisierungsprävention als zentrale Gegenmaßnahmen. Dort, wo diese Angebote regional gut verankert sind, zeigen sich laut Hermann bereits erste positive Effekte – allerdings stehen einer flächendeckenden Umsetzung begrenzte finanzielle Mittel entgegen.