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NON-PAPERS

Auch Deutschland und Frankreich fordern Grenzänderungen am Balkan?

(FOTO: YouTube-Screenshot/RT-Deutsch, iStockphoto)

Laut zwei erfahrenen europäischen Diplomaten soll die Untätigkeit der EU auf dem Westbalkan der Grund dafür sein, dass „hochgefährliche“ Vorschläge für die Neugestaltung der Grenzen entstehen.

Miroslav Lajčák, der EU-Sonderbeauftragte für den Kosovo-Serbien-Dialog und Carl Bildt, ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für den Balkan, sagten am Dienstag, dass der schwindende Einfluss der EU der Hauptgrund dafür ist, dass riskante Pläne zur Neugestaltung der Grenzen in der Region auf den Weg gebracht werden. Konkret sprechen die beiden von den zwei derzeit kursierenden „Non-Paper“-Dokumenten, von denen eines angeblich vom slowenischen Premierminister und das andere angeblich von Frankreich und Deutschland erstellt wurde. In beiden Fällen wurde die Autorenschaft bisher bestritten.

In dem zuerst aufgetauchten Non-Paper wurde vorgeschlagen, dass Teile von Bosnien und Herzegowina, aber eventuell auch von Nordmazedonien und Montenegro, zu einem „Großkroatien“ bzw. einem „Großserbien“ werden sollten. Albanien und Kosovo sollten laut dem Non-Paper zu einem „Großalbanien“ verschmelzen.

Im zweiten war die Rede davon, dass der Nordkosovo, in den Teilen, wo eine serbische Mehrheit vorherrscht, zu einem autonomen Distrikt erklärt werden sollte. Als Teil des Abkommens sollte Serbien dafür die die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen. Beide Non-Paper haben weit verbreitete Kontroversen ausgelöst, obwohl niemand zugegeben hat, hinter ihnen zu stehen.

Sorge bei Balkan-Experten über Non-Papers
Der EU-Sonderbeauftragte für den Kosovo-Serbien-Dialog, Miroslav Lajčák: „Die Idee, Grenzen neu zu ziehen, ist nicht neu. Es gibt sie seit vielen Jahren, aber sie wurde jetzt in den Vordergrund gerückt. Ich bin mit diesen Ideen ganz und gar nicht einverstanden. Ich halte sie für äußerst gefährlich und für eine kriegsauslösende Idee“, so Lajčák.

Und weiter: „Leider ist die Vision einer EU-Mitgliedschaft für den westlichen Balkan in immer weitere Ferne gerückt, ebenso wie die Motivation diese zu erreichen. Als wir [die EU] eine Lücke in der Region geschaffen haben, kommen andere mit anderen Ideen. Wenn wir Plan A [EU-Mitgliedschaft für Balkanstaaten] nicht ernst nehmen, würden die Menschen mit Plan B kommen, und genau darum geht es in diesem ersten Papier“, sagte Lajčák.

Die gesamte Chronologie zum Thema „Non-Paper”:
– Slowenien fordert in geheimem Dokument die Auflösung Bosnien-Herzegowinas
– Geheimes Dokument aufgetaucht: Bosnien soll zu rein bosniakischem Land werden
– Neben Auflösung Bosniens: Slowenien schlägt „Großalbanien“ vor
– Auflösung Bosniens & „Großalbanien“: Serbien und Russland äußern sich zu Non-Paper
– Slowenien: „Kein Non-Paper von uns, dafür kroatisches Dokument zu Bosnien“
– KOMMENTAR: Großserbien, Großkroatien, Großalbanien – großer Bullshit!
– Weiteres Non-Paper aufgetaucht: Nordkosovo soll autonome Region werden
-Vučić zu Kosovo Non-Paper: Es wurde „von einer sehr klugen Frau geschrieben“
-Albin Kurti: „Das Non-Paper kommt aus Belgrad oder Russland“

Lajčák argumentierte, dass die Umsetzung der Grenzänderungen „den Traum von [Slobodan] Milošević und [Franjo] Tuđman erfüllen würde“, den Kriegsführern Serbiens und Kroatiens in den 90er Jahren. Er verwies auf einen gemeinsamen Plan von Tuđman und Milošević aus dem Jahr 1992 zur ethnischen Teilung von Bosnien und Herzegowina.

Der ehemalige UN-Sonderbeauftragte für den Balkan, Carl Bildt, stimmte Lajčák zu und beschrieb die Vorschläge zur Neugestaltung von Grenzen ebenfalls als „sehr gefährlich“: „Alle sagen, dass sie mit den Papers nicht einverstanden sind, aber jeder, der sich mit dem Balkan befasst hat, weiß, dass eine ganze Reihe von Menschen hinter diesen Papieren steht“, sagte Bildt.

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