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GESCHICHTE

Balkan Stories: Wanders 90 Tage in Sarajevo

Balkan Stories: Wanders 90 Tage in Sarajevo
(Foto: zVg.)
7 Min. Lesezeit |

Die zwei verstehen sich auf Anhieb und tauschen Erfahrungen und Tipps aus.

„Wie lange bist du schon hier?“, fragt der Ire Wander.

„Seit zwei Monaten.“

„Mann, das ist lange. In den meisten Städten muss ich nach vier bis sechs Wochen weg. Dann halte ich es nicht mehr aus. Das ist so, wenn du mehr als ein paar Monate lang reist. Du willst nicht dauernd auf der Straße sein, aber du hältst es auch nirgends länger aus.“

„Ja, bei mir ist’s auch so. Nur diesmal ist es ein wenig anders.“

Warum eigentlich, frage ich.

„Ich kann’s dir nicht genau sagen. Ich mag die Stadt und ich mag die Menschen.“

Geheimtipp Wien

„Ja“, sagt der Ire mit dem unaussprechlichen Namen, „die Bosnier sind schon toll. Voriges Jahr, in Wien, da haben wir zwei Wochen gratis bei einem bosnischen Kommunisten gewohnt. Der war ein toller Typ, und die Fahne hatte er im Wohnzimmer.“

Überhaupt, Wien sei für Straßenmusiker ein gutes Pflaster.

„Da ist auch die Polizei nicht so hart wie in anderen Städten. Auch wenn du ohne Lizenz auf der Straße spielst, sind sie eigentlich immer freundlich zu dir. Und du kommst leicht wo unter, wenn du kein Geld hast.“

(Foto: zVg.)

Vielleicht eines von Wanders nächsten Reisezielen, wenn er’s hier nicht mehr aushält.

Wo er sich hier am schwersten tue, frage ich ihn.

„Die Sprache ist schon schwer. Und ich hab ja eigentlich nur zehn Wörter oder so gelernt, seitdem ich hier bin. Die Leute sprachen meistens gut Englisch, da gibt’s keinen Druck, dass ich die Sprache lerne.“

Ist eine ehrliche Aussage auch eine wahre Aussage?

Mit einem für Bosnier sehr emotionalen Aspekt kommt er nicht so gut zurecht.

„Das Essen ist schon gut hier. Es ist nicht großartig, aber es ist gut. Nur, die Bosnier tun so, als hätten sie das Essen erfunden. Das ist es halt auch wieder nicht.“

Geschmäcker sind bekanntermaßen subjektiv. Gleichwohl ist die Aussage wahrscheinlich eine eher unbequeme aus bosnischer Sicht.

Hier ist freilich die Frage gerechtfertigt, ob eine noch so ehrliche Aussage auch eine wahre Aussage ist.

Ein paar Wochen bleiben Wander noch, bis sein Visum abläuft.

Innerhalb von 180 Tagen darf er 90 im Land verbringen.

Wohin es ihn dann verschlägt, weiß er heute nicht.

Irgendwohin, wohin man mit dem Bus oder per Autostopper kommt.

Und wer weiß, vielleicht irgendwann bald wieder zurück nach Bosnien.

Balkan Stories, Christoph Baumgarten

Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.

Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.

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KO KOSMO-Redaktion
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