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GESCHICHTE AUS DER DIASPORA

„Die Stadt Wien hat kein Interesse an ihren Gastarbeitern“

„Die Stadt Wien hat kein Interesse an ihren Gastarbeitern“
(Foto: zVg.)
8 Min. Lesezeit |

KOSMO: Erzählen Sie uns etwas über den Begriff „Gastarbeiter“ (vorübergehende Arbeitskräfte) und wie es dazu gekommen ist, dass unsere Landsleute in der Zeit Jugoslawiens zur vorübergehenden Arbeit hierherkamen.

Ljubomir Bratic: Dies ist ein Begriff, der im deutschen Sprachgebiet entstanden ist, weil die damaligen Staaten billige Arbeitskräfte brauchten. Der Begriff des Vorübergehenden ist aus Sicht Jugoslawiens ideologisch berechtigt. Zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war Jugoslawien wiederaufgebaut und es kamen junge, kräftige Menschen nach, für die der Staat auf dem Arbeitsmarkt keinen Platz hatte. Daher war er gezwungen, diese jungen Menschen zur „vorübergehenden Arbeit“ in die kapitalistischen Staaten, bzw. in die Staaten, gegen die man im Krieg noch gekämpft hatte, zu schicken. Das war ein großer Schritt für Jugoslawien und ein großer ideologischer Spagat.

(Foto: zVg.)

Die damalige Politik war der Meinung, dass all diese Arbeitskräfte, die ausgewandert waren, nach Jugoslawien zurückkehren könnten, wenn man erst genügend Fabriken und eine gute Infrastruktur geschaffen hätte. Darum schloss sie 1966 mit Österreich den Vertrag über die Beschäftigung von Arbeitskräften in Österreich, das damals billige Arbeitskräfte brauchte. Auch aus anderen Ländern kamen Menschen, um in Österreich zu arbeiten, vor allem aus Italien und der Türkei. Das Vorübergehende war ein Moment, das damals allen Subjekten dieser Migration gut passte: dem entsendenden Staat, Jugoslawien, dem aufnehmenden Staat, Österreich, und den Menschen, die sich zur „vorübergehenden Arbeit“ meldeten.

KOSMO: Wie sehen Sie die Beschränkung der Arbeiterrechte in Österreich und die dauerhafte Einführung neuer Vorschriften?

Ljubomir Bratic: Die Gesetze, die in den siebziger Jahren erlassen wurden und die heute im Details ausgearbeitet sind, schränken die Arbeitskräfte sehr effektiv ein, damit sie Arbeitskräfte bleiben und sich nicht weiterentwickeln. Österreich brauchte in den sechziger Jahren ausschließlich Arbeitskräfte und der Staat erließ alle möglichen Gesetze, die die Gesellschaft regulierten, damit diese Leute billige Arbeitskräfte blieben.

,,Das Vorübergehende war ein Moment, das damals allen Subjekten dieser Migration gut passte: dem entsendenden Staat, Jugoslawien, dem aufnehmenden Staat, Österreich, und den Menschen, die sich zur „vorübergehenden Arbeit“ meldeten“, so Bratic.

Die ausländischen Arbeitskräfte waren auch notwendig, damit man den vorhandenen österreichischen Arbeitskräften keine höheren Löhne zahlen musste. Heute gilt das alles genauso und wir sehen, dass sich in dieser Beziehung nicht viel verändert hat, nur, dass alles heute viel komplexer geregelt ist. Das sind bürokratische Fallen, über die niemand spricht. Wir alle gehören mehr oder weniger zu diesen in ihren Rechten beschränkten Gruppen.

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KO KOSMO-Redaktion
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