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Machtspiele

Djokovic als Präsident Serbiens? „Hoffen wir, dass er es nicht tut

Djokovic als Präsident Serbiens? „Hoffen wir, dass er es nicht tut
Foto: epa/Alejandro Prieto, NIDAL SALJIC
3 Min. Lesezeit |

Tennisstar, Rebell, Präsidentschaftskandidat? Novak Djokovic steckt mitten in Serbiens politischem Sturm – und eine Bestsellerautorin hat ihn genau im Blick.

Die politische Krise in Serbien schwelt seit mehr als einem Jahr – und Novak Djokovic ist längst mittendrin. Der Tennisstar hatte die Studentenproteste öffentlich unterstützt, was ihn teuer zu stehen kam: Sein Heimturnier musste er nach Athen verlegen, und aus den Reihen regierungsnaher Minister sowie aus der gleichgeschalteten Medienlandschaft schlug ihm eine Welle offener Feindseligkeit entgegen.

Die argentinische Journalistin und Bestsellerautorin Mariana Enriquez hat diese Entwicklungen genau verfolgt. In einem Interview für das Portal „Clay“ wurde sie gefragt, ob Djokovic künftig als Präsident Serbiens denkbar wäre. Ihre Antwort kam mit einem Lachen: „Er kann es, natürlich – aber hoffen wir, dass er es nicht tut.“

Politisches Gewicht

Enriquez beobachtet, dass Djokovic seine politischen Überzeugungen selten offen benennt, vermutet aber eine konservative Grundhaltung. Seine enge Verbindung zur Orthodoxen Kirche verleihe ihm auf dem Balkan jedenfalls politisches Gewicht. Zugleich sei er klug genug, um die Konsequenzen seines Handelns abzuschätzen.

Als Beleg dafür verweist Enriquez auf das Jahr 2008, als Djokovic öffentlich über eine Rückgabe des Kosovo sprach und damit heftige Reaktionen auslöste. Seitdem halte er sich politisch weitgehend bedeckt – mit einer Ausnahme: In der Covid-Debatte bezog er, gemeinsam mit seinem Vater, unmissverständlich Stellung. Enriquez zieht hier eine Parallele zur Affäre rund um seine Ausweisung aus Australien 2022 und hält fest, dass ein Spieler wie Roger Federer in solche Situationen schlicht nie geraten wäre.

Dennoch glaubt Enriquez nicht, dass Djokovic politisch desinteressiert ist – im Gegenteil. Sie ist überzeugt, dass er durchaus politische Ambitionen hegt, gerade weil er sehe, dass vieles nicht funktioniere und er es verändern wolle. Wie viel Rückhalt er in der Bevölkerung hätte, sei allerdings offen.

Denn echte Politik, so Enriquez, sei ein weit raueres Terrain als der Tennissport.

Gezielte Kampagne

Die Verlegung des Turniers nach Athen deutet sie als Reaktion auf eine gezielte Kampagne: Djokovic sollte als unpatriotisch dargestellt werden, auch sein Vater geriet ins Visier. Da ein direkter Angriff auf den populärsten Sportler des Landes innenpolitisch riskant wäre, habe man ihn auf diese Weise unter Druck gesetzt. Djokovic wich aus – und gewann das Turnier.

Enriquez beschreibt ihn als einen Erwachsenen auf einem Kinderspielplatz, eine Wahrnehmung, die sich zunehmend aufdränge. Als Beispiel nennt sie seinen Tanz in Wimbledon, der angeblich seiner Tochter galt – während die Studenten bei den Protesten ganz andere Dinge riefen.