Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Testament

Epsteins große Liebe? Mysteriöse Zahnärztin sollte 100 Millionen erben

Epsteins große Liebe? Mysteriöse Zahnärztin sollte 100 Millionen erben
FOTO: House Oversight Committee
5 Min. Lesezeit |

Hinter dem Vermächtnis des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein taucht eine mysteriöse Frau auf. Die belarussische Zahnärztin sollte 100 Millionen Dollar und sämtliche Immobilien erben.

Ein Missbrauchsnetzwerk mit Verbindungen in höchste US-Kreise und möglicherweise bis in den Kreml – der Fall Jeffrey Epstein entwickelt sich zu einem immer umfassenderen Skandal. Was teilweise nach Verschwörungstheorie klingt, hat sich in vielen Punkten bereits als wahr herausgestellt.

Das US-Justizministerium hat Ende Jänner weitere Untersuchungsdokumente zum Fall Epstein zugänglich gemacht. Der New Yorker Finanzexperte und verurteilte Sexualstraftäter hatte über Jahre hinweg systematisch Minderjährige missbraucht und sie auch seinem Bekanntenkreis zugeführt. Im Jahr 2019 starb er in seiner Gefängniszelle – laut offiziellen Angaben durch Selbsttötung.

Wie Business Insider berichtet, enthält eines der Dokumente eine Liste mit 43 Personen, die Epsteins Vermögen von 630 Millionen US-Dollar erben sollten. Das Dokument vermerkt, dass er eine dieser Personen heiraten wollte. Die Frau mit Namen Karyna Suliak sollte den Hauptteil seines Vermögens sowie seine Immobilien erhalten.

Der Sexualstraftäter hatte diese bislang kaum bekannte Frau kurz vor seinem Tod als Hauptbegünstigte eingesetzt. Sie war auch die letzte Person, mit der Epstein vor seinem Ableben telefonierte – ein 20-minütiges Gespräch, dessen Inhalt unbekannt blieb. Nach Behördenangaben wurde dieses vertrauliche Telefonat nicht mitgeschnitten.

⇢ Epstein-Skandal: Überwachungsbilder zeigen Entdeckung der Leiche! (VIDEO)

Suliaks Verbindung zu Epstein

Mittlerweile wird bekannt, dass die aus Belarus stammende Zahnärztin offenbar eine langjährige Partnerin Epsteins war. Medienberichten zufolge wurde Suliak 1989 in Minsk geboren und siedelte 2009 mit Epsteins Unterstützung in die USA über, um Zahnmedizin zu studieren. Als sie 2012 an der zahnmedizinischen Fakultät der Columbia University studieren wollte, erhielt sie zunächst eine Absage. Laut New York Times nutzte Epstein daraufhin seine Kontakte, um ihr einen Studienplatz zu verschaffen.

Im April 2011 kontaktierte ein Assistent Epsteins einen Professor der zahnmedizinischen Fakultät der Columbia University. „Jeffreys Freundin Korina überlegt, Zahnmedizin zu studieren“, lautete die von Bloomberg zitierte Nachricht. Professor Martin Davis fragte, ob er am Folgetag ein Treffen arrangieren könne. Etwas mehr als ein Jahr später wurde Karyna Suliak als Quereinsteigerin an der Fakultät aufgenommen.

Epstein finanzierte anschließend nicht nur Suliaks Studium. Aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten Emails und Dokumenten geht hervor, dass er in ihrem Namen auch mindestens 50.000 US-Dollar an die Columbia University spendete.

Die Unterlagen zeichnen das Bild einer engen, aber konfliktreichen Beziehung. In den publizierten Emails finden sich zahlreiche Nachrichten zwischen Epstein und Suliak, in denen sie über Jahre hinweg Liebesbekundungen austauschten und Beziehungsprobleme erörterten.

In einer Email von 2012 bezeichnete Suliak Epstein als „reinsten aller Menschen“. „Egal, was um dich herum geschieht, du bist der reinste Mensch, den ich je kennengelernt habe“, schrieb sie. An anderer Stelle heißt es: „Ich liebe dich sehr, du wirst mich immer haben, egal was passiert, solange es dich glücklich macht.“ Ein Jahr später warf Suliak Epstein vor: „Du hast mich heute völlig ruiniert, jede Minute kämpfe ich darum, nicht zu weinen.“

In anderen Nachrichten thematisiert Epstein Suliaks Eifersucht. So schreibt er in einer Email: „Deine Sorge um Frauen ist unnötig. Sie verursacht einen Großteil des Stresses zwischen uns. Am ersten Tag unserer Beziehung habe ich dir gesagt: ‚Bitte, es gibt immer Frauen um dich herum. Wenn sie dich eifersüchtig oder ängstlich machen, wird das ein Problem sein.'“

Epsteins Testament

Die Flugprotokolle belegen, dass Suliak Epstein auf vielen Reisen begleitete, darunter auch auf seinem letzten Flug von Paris nach New York im August 2019, kurz bevor er verhaftet wurde.

Welche Position sie tatsächlich in Epsteins Leben einnahm, bleibt unklar. Menschen, die sie kannten, beschreiben sie sehr unterschiedlich. Manche berichten, sie sei eine beständige, wenn auch oft zurückhaltende Begleiterin in Epsteins letzten Lebensjahren gewesen. Andere hingegen erwähnen, dass sie unter Epsteins Vertrauten den Spitznamen „Die Inspektorin“ erhielt – aufgrund ihrer angeblichen Eifersucht und weil sie angeblich seine Bewegungen überwachte und kontrollierte, mit wem er Kontakt hatte.

Dem Dokument zufolge sollte Suliak 100 Millionen Dollar und sämtliche Immobilien erhalten, darunter seine Villa in Manhattan, sein Apartment in Paris, seine Ranch in New Mexico und zwei Privatinseln auf den Amerikanischen Jungferninseln.

Epstein machte Suliak, die heute 36 Jahre alt sein soll und Medienberichten zufolge in New York lebt, außerdem mit einem 32,73 Karat schweren Diamantring einen Heiratsantrag, deutet das Dokument an. Darin steht, Epstein habe Suliak den Ring „in Erwartung der Heirat“ geschenkt, zitiert Business Insider aus Epsteins Testament, bekannt als „The 1953 Trust“.

Epsteins langjährige Vertraute und Komplizin Ghislaine Maxwell wurde im Vergleich deutlich schlechter bedacht. Sie sollte dem „The 1953 Trust“-Dokument nach „lediglich“ zehn Millionen Dollar erhalten.

Nach Epsteins Tod wurde sein Vermögen eingefroren. Daniel Weiner, Anwalt für Nachlassangelegenheiten, erklärte gegenüber der New York Times, dass keiner der Begünstigten Geld erhalten werde, solange nicht alle Gläubiger und Opfer-Entschädigungen vollständig bezahlt würden.

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Suliak und die übrigen Begünstigten das Erbe tatsächlich antreten können, sorgt das Auftauchen der mysteriösen Epstein-Geliebten in den Akten für Aufmerksamkeit. Wie geriet die Frau in den Einflussbereich des Sexualstraftäters?

Die Epstein-Akten offenbaren, wie wenig bislang über die Privatperson Jeffrey Epstein bekannt war.

So stellt sich unter anderem die Frage, ob er möglicherweise ein Kind hatte, von dem die Öffentlichkeit nichts wusste. Darauf deutet eine private Nachricht vom September 2011 hin, in der die ehemalige Herzogin von York Epstein zu einem vermeintlichen „Baby Boy“ gratuliert.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen