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Hitzegefahr

Extreme Hitze und dünne Luft: Schwierige Bedingungen für Stars bei WM

Extreme Hitze und dünne Luft: Schwierige Bedingungen für Stars bei WM
FOTO: iStock/EPA/AMY KONTRAS
4 Min. Lesezeit |

Hitze, Höhenluft und Blitzgewitter: Die WM 2026 könnte Spieler und Fans vor Bedingungen stellen, die weit über Sport hinausgehen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wird nach Einschätzung von Fachleuten unter klimatischen Bedingungen ausgetragen, die das Turnier zu einer körperlichen Ausnahmesituation machen könnten. Das Turnier findet vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 statt – mitten in der heißesten Phase des nordamerikanischen Sommers. Extreme Hitze, drückende Schwüle in den südlichen US-Bundesstaaten und die dünne Luft auf dem mexikanischen Hochplateau stellen Mannschaften und Organisatoren gleichermaßen vor ungewohnte Herausforderungen.

Allein die Höhenlage von Mexiko-Stadt – mehr als 2.000 Meter über dem Meeresspiegel – sorgt für einen spürbar reduzierten Sauerstoffgehalt in der Luft. Das hat direkte Konsequenzen für Ausdauerleistung und Regenerationsfähigkeit der Spieler.

Kritische Spielorte

„Besonders kritisch wird die Kombination aus hoher Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit, Reiseaktivitäten und einem verdichteten Spielplan sein“, sagte Sportmediziner Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Köln. Zu den problematischsten Austragungsorten zählen Miami, Houston, Dallas und Monterrey, wo Hitze und teils extreme Luftfeuchtigkeit aufeinandertreffen. In Florida drohen darüber hinaus heftige Sommergewitter mit Starkregen und Blitzgefahr. Auch Atlanta und Kansas City gelten in den Sommermonaten als schwül und gewitteranfällig.

Insgesamt werden bei der WM 2026 16 Spielorte bespielt: in den USA Atlanta, Boston, Dallas, Houston, Kansas City, Los Angeles, Miami, New York/New Jersey, Philadelphia, San Francisco Bay Area und Seattle, in Kanada Toronto und Vancouver sowie in Mexiko Guadalajara, Mexiko-Stadt und Monterrey.

Die gesundheitlichen Risiken sind nach Einschätzung Predels erheblich: Flüssigkeitsverlust, Elektrolytmangel, Muskelkrämpfe und Kreislaufprobleme können entstehen, wenn Spieler unter direkter Sonneneinstrahlung an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Im schlimmsten Fall drohe ein belastungsbedingter Hitzschlag – ein akut lebensbedrohlicher Zustand. Lediglich vier Stadien – in Dallas, Los Angeles, Houston und Atlanta – verfügen über schließbare Dächer und damit über die Möglichkeit, den Innenraum aktiv zu kühlen.

Einen Vorgeschmack auf das, was bei der WM drohen könnte, lieferte bereits die Club-WM im Vorjahr. Sechs Partien mussten witterungsbedingt unterbrochen werden, in einigen Fällen für bis zu zwei Stunden. Borussia Dortmunds Trainer Niko Kovac brachte seine Frustration damals auf den Punkt: „Wir spielen zwar Fußball, aber mit dem Sport an sich hat das nichts zu tun.“

Auch Blitzgewitter können den Spielbetrieb empfindlich stören. Beim Aufeinandertreffen von Benfica und Chelsea zwangen drohende Entladungen Spieler und Zuschauer gleichermaßen zur Flucht in Sicherheit. In den USA gilt eine verbindliche Unterbrechungsregel: Werden Blitze innerhalb eines Radius von 13 Kilometern um das Stadion registriert, muss das Spiel für mindestens 30 Minuten ausgesetzt werden.

FIFA-Maßnahmen

Die FIFA hat aus den Erfahrungen der Club-WM Konsequenzen gezogen. Bei Spielen im Freien wird künftig pro Halbzeit eine zusätzliche dreiminütige Trinkpause eingeführt. Außerdem sollen Ersatzspieler und Betreuerstäbe in klimatisierten Sitzbereichen Platz nehmen können.

Einer Gruppe internationaler Wissenschaftler reichen diese Maßnahmen jedoch bei weitem nicht aus. In einem offenen Brief forderten die 20 Forscher Spielverlegungen bei Temperaturen über 28 Grad sowie verlängerte Abkühlungspausen von mindestens sechs Minuten Dauer. Ihrer Einschätzung nach könnten in 14 der 16 WM-Spielstätten gefährliche Belastungswerte erreicht werden.

Entscheidend sei dabei nicht allein die gemessene Lufttemperatur, sondern die sogenannte Wet-Bulb-Globe-Temperatur – kurz WBGT –, die neben der Wärme auch Sonneneinstrahlung, Windverhältnisse und Luftfeuchtigkeit in die Bewertung einbezieht.

Das englische Trainerteam hat sich mehr als ein Jahr lang intensiv und gemeinsam mit Sportwissenschaftlern auf die klimatischen Bedingungen vorbereitet. Dabei schluckten die Profis digitale Kapseln, die während der Belastung Körperwerte erfassen und Aufschluss über individuelle Hitzetoleranz sowie Erholungsverhalten geben.

„Die Bedingungen sind nicht unser größter Gegner, aber sie sind nach einer langen und sehr anspruchsvollen Saison für unsere Spieler kein Vorteil. Wir sind diese Art von Hitze und Luftfeuchtigkeit nicht gewohnt“, sagte Englands Teamchef Thomas Tuchel.

Die Wetterbedingungen sind allerdings nicht nur ein Problem für die Akteure auf dem Platz – auch die Zuschauer sind betroffen. Für Unmut sorgt dabei die Regelung, dass aus Sicherheitsgründen selbst leere Wasserflaschen nicht mit ins Stadion gebracht werden dürfen.

Die Ausrichterstädte reagieren mit eigenen Schutzkonzepten. Das Gesundheitsamt des Los Angeles County plant rund um die Spiele umfassende Informationskampagnen zu Hitzeschutz und ausreichender Flüssigkeitszufuhr. New York setzt auf Warnhinweise über öffentliche Informationssysteme sowie WhatsApp-Nachrichten speziell für internationale Gäste.

Seattle prüft den Einsatz klimatisierter Busse sowie Wassernebelanlagen bei Fanfesten und im Umfeld der Stadien.

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KO KOSMO-Redaktion
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