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Staubplage

Gesundheitsgefahr steigt: Klimawandel könnte öfter Sahara-Staub nach Europa bringen

Gesundheitsgefahr steigt: Klimawandel könnte öfter Sahara-Staub nach Europa bringen
Foto: epa/URS FLUEELER
4 Min. Lesezeit |

Ein orangefarbener Himmel über Europa – was surreal wirkt, hat einen konkreten Ursprung: die Sahara. Und der Trend zeigt in eine beunruhigende Richtung.

Wer in den vergangenen Jahren in Spanien, Frankreich oder Großbritannien den Morgen begrüßte, erlebte mitunter ein verstörendes Bild: ein Himmel in tiefem Orange, die Luft erfüllt von gelblichem Dunst, als hätte jemand einen Filter über die Welt gelegt. Hinter diesem Schauspiel steckt Saharastaub – Partikel, die Tausende Kilometer über das Mittelmeer reisen, bevor sie sich über europäischen Städten niederlassen. Dass solche Ereignisse häufiger werden, ist kein Zufall, sondern eine direkte Folge des Klimawandels, schreibt Hosein Hashemi, Professor an der Universität Lund, in einem Beitrag für The Conversation.

Die Sahara ist die ergiebigste Staubquelle der Erde – auf sie entfällt mehr als die Hälfte aller weltweiten Staubemissionen. Unter heißen, trockenen und windigen Bedingungen werden winzige Partikel mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre gewirbelt und über ganze Kontinente hinwegtransportiert. Ein Großteil dieser Staubmassen zieht westwärts in Richtung Amerika, doch ein beträchtlicher Anteil driftet nordwärts nach Europa – vor allem zwischen Februar und Juni. Besonders intensive Ereignisse wie die sogenannte Kalima, die Spanien regelmäßig in einen gelblichen Schleier hüllt, haben zuletzt sogar die Nordsee und Skandinavien erreicht.

Der Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Staubentwicklung ist dabei alles andere als geradlinig. Steigende Temperaturen trocknen den Boden aus und begünstigen die Wüstenbildung – beides erleichtert es dem Wind, feine Partikel aufzuwirbeln. Unter extremen Erwärmungsszenarien könnte die Menge an Saharastaub in der Atmosphäre bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 40 bis 60 Prozent zunehmen. Gleichzeitig sind bestimmte Sandstürme in den vergangenen zwei Jahrzehnten seltener und schwächer geworden – teils wegen der zunehmenden Begrünung der Sahelzone am Südrand der Sahara, teils wegen einer allgemeinen Abschwächung der Oberflächenwinde und Verschiebungen in großräumigen Klimamustern.

Folgen für Europa

Für Europa geht es dabei längst nicht mehr nur um trübe Aussichten. Saharastaub kann die Luftqualität massiv beeinträchtigen und die Konzentration sogenannter PM10-Partikel weit über empfohlene Grenzwerte treiben. Diese Feinstaubpartikel dringen tief in die Atemwege ein und können Asthma sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen oder verschlimmern. Modellierungsstudien aus Spanien und Italien legen nahe, dass Saharastaub für bis zu 44 Prozent aller Todesfälle verantwortlich sein könnte, die auf PM10-Belastung zurückzuführen sind. Dazu kommen wirtschaftliche Schäden: Setzt sich der Staub auf dem Schnee der Alpen ab, verdunkelt er die Oberfläche und beschleunigt das Schmelzen. Solarpanele verlieren an Effizienz, und im Luft- wie im Straßenverkehr schränkt die reduzierte Sichtweite den Betrieb ein.

Gegenmaßnahmen beiderseits

Um dieses grenzüberschreitende Problem in den Griff zu bekommen, braucht es Maßnahmen auf beiden Seiten des Mittelmeers. In der Sahara selbst und in ihrem Randbereich ist vor allem der Schutz intakter Böden entscheidend. Überweidung, der Bau von Staudämmen und aufgegebenes Ackerland tragen allesamt dazu bei, dass mehr Staub aufgewirbelt wird. Gegenmaßnahmen umfassen die Wiederherstellung von Vegetation, den Erhalt natürlicher Wasserläufe und den Schutz der sogenannten Biokruste – einer hauchdünnen Schicht aus Bakterien, Moosen und anderen Mikroorganismen, die die obersten Millimeter des Wüstenbodens zusammenhalten und so als natürlicher Windschutz wirken.

Auf europäischer Seite steht die Vorbereitung im Vordergrund. Frühwarnsysteme ermöglichen heute Prognosen bis zu 15 Tage im Voraus und geben Gesundheitsbehörden die Möglichkeit, gefährdete Bevölkerungsgruppen rechtzeitig zu informieren und zum Aufenthalt in Innenräumen zu raten. Auch bauliche und stadtplanerische Maßnahmen – von verbesserter Gebäudebelüftung bis zur Anlage städtischer Grünflächen – können die Belastung spürbar senken.

Staub kennt keine Grenzen – und seine Bewältigung erfordert verbindliche internationale Abkommen, die vom gemeinsamen Management von Flusseinzugsgebieten bis hin zu koordinierten Maßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen reichen.

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KO KOSMO-Redaktion
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