Israel macht ernst: Ein hochrangiger Minister kündigt Schritte an, die die Lage im Libanon grundlegend verändern könnten.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat am Dienstag angekündigt, dass die israelische Armee den Südlibanon bis zum Litani-Fluss besetzen werde. Es ist das erste Mal, dass Israel seine Absicht, Teile des libanesischen Territoriums einzunehmen, derart offen formuliert hat. Zuvor hatte Katz der libanesischen Regierung gedroht, sie werde Gebiete verlieren, sollte sie die Hisbollah nicht entwaffnen – jene pro-iranische Miliz, die den Libanon in den Krieg hineingezogen hat, nachdem sie am 2. März mit Angriffen auf Israel begonnen hatte.
Bei einem Treffen mit dem Generalstabschef erklärte Katz, die Armee werde „die verbleibenden Brücken sowie eine Sicherheitszone bis zum Litani-Fluss kontrollieren“ und dabei eine „Verteidigungspufferzone“ errichten. Eine offizielle Stellungnahme der israelischen Armee zu diesen Aussagen blieb aus.
Militärische Operationen
Seit dem 13. März hat die Armee bereits fünf Brücken über den Fluss zerstört und die Demolierung von Gebäuden in grenznahen Ortschaften ausgeweitet. Israel besteht darauf, dass sich die Operationen ausschließlich gegen die Hisbollah richten und nicht gegen die Zivilbevölkerung. Katz betonte, in Gebieten, in denen „Terror“ herrsche, dürfe es weder Siedlungen noch Bewohner geben – eine Anspielung auf die Präsenz der Miliz.
Deren Kämpfer setzen ihre täglichen Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel fort und liefern sich im Südlibanon fortlaufend Gefechte mit israelischen Streitkräften. Die Armee manövriere, so Katz weiter, um eine „vordere Verteidigungslinie“ zu etablieren, und zerstöre dabei die Infrastruktur der Hisbollah, darunter Einrichtungen, die er als „terroristische Stützpunkte“ bezeichnet.
Annexions-Forderung
Die Aussagen des Verteidigungsministers folgen auf eine Forderung von Finanzminister Bezalel Smotrich, Israel solle den Südlibanon bis zum Litani-Fluss annektieren. Der Fluss mündet rund 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze ins Mittelmeer.
US-Präsident Donald Trump zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass Washington und Teheran bald eine Einigung zur Beendigung des Krieges erzielen könnten. Der Iran dementierte jedoch jegliche Kontakte mit den Vereinigten Staaten.
Ob ein allfälliger Waffenstillstand im Libanon Teil einer umfassenderen Vereinbarung sein wird, bleibt derzeit offen.