Der Krieg ist vorbei – doch an den Energiemärkten bleibt die Lage angespannt. Die Erholung könnte sich als zäher Prozess erweisen.
Das Ende des Krieges im Iran dürfte den Öl- und Erdgasmärkten zwar rasch eine gewisse Entlastung bringen – bis die Preise jedoch wieder auf das Niveau von vor Kriegsbeginn sinken, könnten Monate vergehen. Das berichtet CNN. Zur Erinnerung: Ein Barrel Brent-Rohöl kostete 73 Dollar, bevor die Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar den Iran angriffen. Die amerikanische Referenzsorte WTI notierte bei 67 Dollar.
Bereits im Vorfeld des Krieges hatten die Preise angezogen – von rund 60 beziehungsweise 57 Dollar zu Jahresbeginn –, ausgelöst durch die zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Teheran.
Straße von Hormus
Reedereien und ihre Versicherer müssen zunächst Gewissheit darüber gewinnen, dass die Durchfahrt durch die Straße von Hormus wieder sicher ist. Über diesen strategisch bedeutsamen Seeweg wird normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung abgewickelt. Doch selbst wenn der Tankertransit wieder aufgenommen wird, braucht es Zeit, den enormen Rückstau abzubauen. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation liegen im angrenzenden Persischen Golf derzeit fast 2.000 Schiffe vor Anker.
Hinzu kommt, dass der Krieg zur Schließung zahlreicher Öl- und Gasanlagen geführt hat. Die Wiederaufnahme der Produktion dürfte Wochen in Anspruch nehmen. „Das ist nicht so, als würde man einen Schalter umlegen und alles läuft sofort wieder“, sagte Anne-Sophie Corbeau, Wissenschaftlerin am Center on Global Energy Policy der Columbia University in New York City, gegenüber CNN. Dort, wo Anlagen bei Angriffen beschädigt wurden, könnte eine Rückkehr zu früheren Produktionsmengen Monate, in manchen Fällen sogar Jahre dauern.
QatarEnergy betroffen
Besonders gravierend sind die Folgen für QatarEnergy, den weltweit größten Produzenten von Flüssigerdgas. Das Unternehmen gab vergangene Woche bekannt, dass iranische Raketenangriffe auf seine Anlagen die Exportkapazität um 17 Prozent reduziert haben. Die Schadensbehebung werde bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen.
In den Vereinigten Staaten sind die Benzinpreise in den vergangenen Wochen infolge des gestiegenen Ölpreises merklich geklettert. Ihr Rückgang dürfte deutlich langsamer vonstatten gehen, als der Anstieg erfolgte. Aliko Dangote, Gründer der Dangote-Gruppe, die in Nigeria Ölraffinerien betreibt, erklärte am Montag gegenüber CNN, dass nach Kriegsende mindestens sechs Monate nötig seien, bis sich die Ölversorgung normalisiere. Die Preise könnten sich dann zwar stabilisieren, würden aber bis Jahresende voraussichtlich auf einem Niveau zwischen 75 und 80 Dollar je Barrel verharren.