Ein blockierter Seeweg, explodierende Ölpreise und Angriffe auf Teheran – der Nahe Osten steht vor einer Eskalation mit globalen Folgen.
Die Blockade der Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt wird, gefährdet nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) die globale Wirtschaft in erheblichem Ausmaß. IEA-Chef Fatih Birol sprach am Montag in Sydney von einer „großen Bedrohung“ und beschrieb die Lage als „zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem“.
„Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben“, so Birol. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar seien mindestens 40 Energieanlagen in der Region schwer beschädigt worden. Der Verlust belaufe sich bereits auf elf Millionen Barrel pro Tag – ein Wert, der die kombinierten Ausfälle beider Ölkrisen der 1970er-Jahre übersteige.
Eskalation im Nahen Osten
Als Reaktion auf die Versorgungsengpässe gab die IEA Mitte März 426 Millionen Barrel aus strategischen Notreserven frei – die umfangreichste Maßnahme dieser Art in der Geschichte der Behörde. Dennoch kletterte der Ölpreis zwischenzeitlich auf 100 Dollar je Barrel.
Parallel dazu führte die israelische Armee nach eigenen Angaben eine neue „groß angelegte“ Angriffswelle gegen Ziele in Teheran durch. Die Operationen richteten sich gegen die „Infrastruktur des iranischen Terrorregimes“, teilte das Militär mit. Iranische Medien meldeten Explosionen in mehreren Stadtteilen.
Bei einem Angriff auf eine Rundfunkstation in Bandar Abbas kam laut Staatsmedien mindestens eine Person ums Leben. Darüber hinaus berichteten Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate von iranischen Raketen- und Drohnenangriffen auf ihr jeweiliges Staatsgebiet.
Die iranischen Revolutionswächter verkündeten am Samstag nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf Iran die Sperrung der Straße von Hormus.