Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Adria

Männer links, Frauen rechts: Der letzte getrennte Strand Europas boomt

Männer links, Frauen rechts: Der letzte getrennte Strand Europas boomt
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Eine Betonmauer teilt das Badevergnügen in Triest – seit über 100 Jahren schwimmen Männer und Frauen getrennt. Die Tradition erfreut sich überraschender Beliebtheit.

Ein Strand mit Mauer

La Lanterna in Triest ist kein gewöhnlicher Strand. Die Einheimischen nennen ihn liebevoll „Pedocin“ – ein Name, dessen Ursprung bis heute Rätsel aufgibt. Manche führen ihn auf die österreichisch-ungarische Besatzungszeit zurück, als Soldaten hier angeblich Läuse loswurden. Andere vermuten eine Verbindung zum Triestiner Dialektwort für Miesmuscheln, da die Badegäste an dichtgedrängte Muschelkolonien erinnerten. Wie auch immer – der Spitzname verleiht diesem besonderen Ort zusätzlichen Charme.

Das wirklich Außergewöhnliche an La Lanterna ist jedoch die massive Betonmauer, die den Strand in zwei Bereiche teilt: einen für Männer, einen für Frauen. Diese Trennung stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, als Triest unter habsburgischer Herrschaft stand und strenge Moralvorstellungen herrschten. Um die Sittsamkeit badender Damen zu wahren, die damals in für die Zeit gewagten Badeanzügen ins Wasser gingen, errichtete man die Trennmauer.

⇢ Diese Urlaubsziele sind 2025 bis zu 38% billiger!

Während ähnliche Einrichtungen europaweit längst verschwunden sind, hält La Lanterna bis heute an dieser Tradition fest – ein lebendiges Relikt vergangener Zeiten.

Beliebte Geschlechtertrennung

Erstaunlicherweise erfreut sich diese Geschlechtertrennung auch im 21. Jahrhundert großer Beliebtheit, wie zahlreiche Bewertungen auf TripAdvisor belegen. Ein humorvoller Besucher beschrieb den Strand als „perfekte Lösung für Männer, die mit Ehefrau und Schwiegermutter verreisen und etwas Ruhe suchen“. Männliche Badegäste schätzen die entspannte Atmosphäre auf ihrer Seite, während Frauen – die übrigens Buben bis zwölf Jahre mitnehmen dürfen – die Abwesenheit männlicher Blicke genießen.

Im Meer können sich alle treffen, doch an Land bleibt jedes Geschlecht unter sich – eine Regelung, die offenbar für viele den Reiz dieses besonderen Ortes ausmacht.

Tradition mit Zukunft

Die Geschlechtertrennung besteht seit 1903 und hat alle gesellschaftlichen Umbrüche überdauert. Bei einer Umfrage unter der Triestiner Bevölkerung sprach sich die überwältigende Mehrheit für den Erhalt dieser Tradition aus. Besonders bemerkenswert: Ältere Frauen schätzen besonders die Privatsphäre und Freiheit, die ihnen der geschützte Bereich bietet. Sie können hier ungestört sonnenbaden und schwimmen, ohne sich beobachtet zu fühlen.

Die jüngere Generation bevorzugt zwar tendenziell gemischte Strandbäder, betrachtet das Pedocin jedoch mit Respekt als kulturelles Erbe der Stadt. Trotz gelegentlicher Diskussionen gab es daher bislang keine ernsthaften Bestrebungen, die räumliche Trennung abzuschaffen – ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne nebeneinander existieren können.

Praktische Details

Der Strand ist ganzjährig zum Sonnenbaden geöffnet, während die Badesaison vom 15. Mai bis 30. September dauert. Mit gerade einmal 1,20 Euro pro Person ist der Eintritt überraschend günstig. Die Anlage bietet alle nötigen Annehmlichkeiten: Duschen, Toiletten, Umkleidekabinen und Schließfächer. Besonders hervorzuheben ist die vollständige Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen.

Wer bei seinem Triest-Besuch etwas wirklich Einzigartiges erleben möchte, sollte La Lanterna nicht verpassen.

Die ungewöhnliche Kombination aus historischer Tradition und moderner Entspannung macht diesen Strand zu einem Ort, der sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen Anklang findet.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen